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Quer­ge­le­sen - Wis­sen­schaft schrei­ben 

14.05.2020, Dia­lo­ge :

Wissenschaft braucht (Ver-)Schrift(-lichung) und Lektüre – und Lesen und Schreiben sind Kulturtechniken, die nicht erst seit der Digitalisierung stetiger Veränderung unterworfen sind. Wir haben uns innerhalb der HNU auf eine kleine Spurensuche begeben und unsere ProfessorInnen und wissenschaftlichen MitarbeiterInnen nach Schreib- und Leseritualen, ihren eigenen Publikationen und ihrer aktuellen (nicht nur fachlichen) Lektüre gefragt. Ein Blick in die privaten Bücherregale wurde uns obendrein gewährt! 

Ein Blick in das Bü­cher­re­gal von ... 

Te­re­sa Moll 

Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät Gesundheitsmanagement

gerade beendet: "Systemische Intervention in der Mitarbeiterführung" von Peter Steinkellner
aktuelle Lektüre: "Organisation und Management" von Dirk Baecker.
Und danach? "Organisation und System" von Dirk Baecker

Schrei­b­ri­tua­le 

  1. Prof. Dr. Jens U. Pätz­mann 

    Tatsächlich schreibe ich in meinem Büro an der Hochschule. Rituale? Kaffee, schreiben, Pause, Kaffee, schreiben, Pause, Kaffee …

  2. Jens Bo­schei­nen 

    Am liebsten in der Bibliothek, mit Stöpseln im Ohr und allen Ablenkungen ausgeblendet.

  3. Prof. Dr. Wal­ter Swo­bo­da 

    Am Schreibtisch, alleine und oft nachts. Manchmal auch in der Bahn. Immer mit meinem Macbook und Papyrus Autor.

  • 4Te­re­sa Moll 

    An meinem Schreibtisch zuhause. Hier habe ich sehr viel Ruhe und Platz sowie alle meine Bücher und Notizen schnell greifbar um mich. Über meinem Schreibtisch ist ein Dachfenster, wodurch das Licht toll hereinfällt. Am liebsten habe ich eine Tasse Kaffee neben mir stehen und oft liegt unser Hund Henry neben mir.

  • 5Prof. Dr. Phil­ipp Bru­ne 

    Bevorzugt auf Reisen im Zug oder Hotelzimmer. 

Ver­net­zung als Rea­li­sie­rungs­stra­te­gie für be­trieb­li­che Ge­sund­heit in der Re­gi­on Ulm/Neu-Ulm

Teresa Moll 

"In dieser Publikation habe ich mich zum ersten Mal daran versucht, Netzwerke im Rahmen betrieblicher Gesundheit und Gesundheitsförderung aus systemtheoretischer Perspektiv zu betrachten. Dabei habe ich vor allem die (gesellschafts- und kommunikationstheoretische) Komplexität, welche sich dahinter verbirgt, ansatzweise begriffen. Und eben diese macht es für mich aber nur umso spannender und herausfordernder."

Moll, Teresa (2019): Vernetzung als Realisierungsstrategie für betriebliche Gesundheit in der Region Ulm/Neu-Ulm. In: Zeitschrift für Führung und Personalmanagement in der Gesundheitswirtschaft (öffnet neues Fenster) (ZFPG), 5 (1), 19-28. 

Cor­po­ra­te So­ci­al Re­s­pon­si­bi­li­ty in der In­no­SÜD-Re­gi­on – Ei­ne Be­stands­auf­nah­me

Jens Boscheinen 

"Im Sommer 2020 erscheint hierzu auch ein Beitrag im Springer Verlag. Die Veröffentlichungen sollen eine Brücke schlagen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – vertreten also die Third Mission der Hochschule Neu-Ulm."

Boscheinen, Jens; Fleissner, Thomas; Hammerschmidt, Wilke; Kimpflinger, Andrea; Kormann, Julia (2019): Corporate Social Responsibility in der InnoSüd-Region - eine Bestandsaufnahme. Working Paper, Nr. 40, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Neu-Ulm.

Cust­o­m­er In­sights mit Ar­che­ty­pen – Durch ar­che­ty­pi­sche Me­ta­phern Ziel­grup­pen bes­ser de­fi­nie­ren und ver­ste­hen

im Erscheinen

Prof. Dr. Jens U. Pätzmann

"Erscheint demnächst bei Springer Gabler in der Essentials-Reihe. Interessant für alle, die mehr aus ihren Marktforschungsdaten machen wollen. Gute Insights sind tiefe Einsichten aus Zielgruppenperspektive und werden als das neue Konsumentengold bezeichnet."

An Open Sour­ce Ap­proach for Mo­der­ni­zing Mes­sa­ge-Pro­ces­sing and Tran­sac­tio­nal CO­BOL Ap­p­li­ca­ti­ons by In­te­gra­ti­on in Ja­va EE Ap­p­li­ca­ti­on Ser­vers 

Prof. Dr. Philipp Brune

"Ausführlichere Beschreibung meines Open-Source Frameworks QWICS zur Modernisierung von großen, transaktionalen Legacy-Unternehmensanwendungen, welche in der Programmiersprache COBOL geschrieben sind, mittels Einbindung in Java Enterprise Edition Applikationsserver. Der Artikel wendet sich an alle Forscher, Entwickler, IT-Architekten und IT-Entscheider, welche mit derartigen Fragestellungen der Modernisierung ihrer Anwendungslandschaft  konfrontiert sind. Wie man an der jüngsten medialen Diskussion über den akuten Mangel an COBOL-Entwicklern zur Sicherstellung des Betriebs der Arbeitslosenversicherung in New Jersey in der Corona-Krise sehen kann, wird dieses Thema zunehmend wichtiger."

Brune, Philipp (2019): An Open Source Approach for Modernizing Message-Processing and Transactional COBOL Applications by Integration in Java EE Application Servers (öffnet neues Fenster). In: Web Information Systems and Technologies. WEBIST 2018. Lecture Notes in Business Information Processing (LNBIP), 372 . Springer, Cham, pp. 244-261.

De­si­gning Mo­ti­on – Au­to­mo­ti­ve De­si­gners 1880-1980

Prof. Dr. Markus Caspers 

"Es geht um die Geschichte des Automotive Designs als wissenschaftlich unterbelichteten Bereich des Industrial Designs. Das Buch ist für alle, die sich für Design, für Autos und für Designgeschichte und -wissenschaft interessieren."

Caspers, Markus (2016): Designing Motion. Automotive Designers. (öffnet neues Fenster) Birkhäuser, Basel. 

In­for­ma­ti­ons­ma­nage­ment im Ge­sund­heits­we­sen 

Prof. Dr. Walter Swoboda 

"Ich habe mir besondere Mühe gegeben, dass keinerlei Vorkenntnisse nötig sind und das Buch trotzdem unterhaltsam bleibt. "

Swoboda, Walter (2017): Informationsmanagement im Gesundheitswesen. (öffnet neues Fenster) UTB Verlag, München. 

Wis­sen­schaft­li­ches Schrei­ben ist ...

"In­tel­lek­tu­ell an­stren­gend, aber als Ziel je­der For­schungs­ar­beit auch höchst be­frie­di­gend, wenn es fer­tig ist."

Prof. Dr. Philipp Brune

Per­sön­li­cher Ka­non 

Für Teresa Moll ist und war Niklas Luhmann prägend - insbesondere sein Werk "Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie": "Es liefert mir die Forschungsperspektive zur Bearbeitung meiner Fragestellungen und Projekte. Auch habe ich besonders hiervon gelernt, stets einen aufmerksamen Blick für das Gegenüber bzw. den zu beforschenden Gegenstand zu haben. Das bedeutet, dessen jeweiligen Kontext zu berücksichtigen, sowie zu versuchen, dessen Eigenlogik, Absichten, Handlungsanreize und Interessen zu verstehen. Wobei es nie die eine Wahrheit gibt, sondern immer nur subjektive Konstruktionen von Wirklichkeit."

Roland Barthes' "Mythen des Alltags" und die "Dialektik der Aufklärung" von Horkheimer/Adorno waren für Prof. Dr. Markus Caspers Initialzündungen für seine(n) Beruf(ung) : "Beide Bücher haben mir als jungem Menschen die Freude an und die Verunsicherung durch Theorie beigebracht. Durch diese Bücher habe ich die Kritische Theorie und den Strukturalismus entdeckt und zu schätzen gelernt".

Prof. Dr. Walter Swoboda schätzt (philosophische) Klassiker: Nachhaltig beeindruckt hat ihn in seiner Jugend Hermann Hesses "Der Steppenwolf", und mehr als einmal hat er "Gödel, Escher, Bach" von Douglas R. Hofstadter gelesen.

Albert Camus' "Der Mythos des Sisyphos" und Carl Friedrich von Weizsäckers "Die Tragweite der Wissenschaft" empfiehlt Prof. Dr. Philipp Brune - zwei für sein Weltbild prägende Werke. 

"Die Kunst des Liebens" von Erich Fromm ist für Jens Boscheinen ein persönlich wichtiges Werk: "Ich kenne kein Buch, welches auf so eindrucksvolle Art Liebe in all ihren Facetten erklärt und die Grundlage für die eigene Entwicklung und das Sein darstellt, wie dieses Buch. Ich hab es als Pflichtlektüre in der zehnten Klasse im Religionsunterricht zum ersten Mal gelesen und es war die erste aktive Beschäftigung mit der menschlichen Psychologie, welche mich damals fasziniert hat und bis heute noch immer fasziniert."

Prof. Dr. Jens U. Pätzmann nennt das Buch "Konsumentenverhalten" von Werner Kroeber-Riel als für ihn persönlich wegweisend: "Der Mann hat vor 30 Jahren so viele Ideen vorweggenommen, die jetzt beispielsweise in der Verhaltensökonomie oder in den Neurowissenschaften als große Neuigkeiten gefeiert werden."

Was hilft bei Schreib­blo­cka­den? 

  1. Prof. Dr. Jens U. Pätz­mann 

    Nicht zuhause arbeiten, sondern möglichst am Arbeitsplatz. Freizeit und Arbeit physisch trennen. Dann vermengt sich nicht Freizeit und Arbeit im Kopf. Einen Plan zum Schreiben für jeden Tag machen. Den Plan zum Schreiben eines Buches in kleine, leicht verdauliche Häppchen unterteilen. Dann klappt es zumindest bei mir. 

  2. Te­re­sa Moll 

    Sollte der Start mal schwierig sein, hilft es mir meist, meinen Ideen freien Lauf zu lassen, das heißt, ich nehme mir ein DIN A4-Blatt und schreibe (in der Tat per Hand) meine Gedanken spontan zusammen. Inzwischen nutze ich auch häufig eine Flip Chart. Ich versuche, mich dabei auf den Kern zu fokussieren: Worum soll es gehen? Was ist das Ziel und die Relevanz dahinter? Was ist das eigentliche Problem und die Fragestellung und wie könnten mögliche Lösungen aussehen? Und auch persönliche Fragen versuche ich zu beantworten: Was ist mein Anreiz dahinter? Zu welcher Erkenntnis hoffe ich zu gelangen und warum? Was mir auch oft hilft, ist eine Runde an der frischen Luft, da kommen die Ansätze oft ganz von allein. Manchmal mache ich mir auch spontane Sprachnotizen mit meinem Handy, welche mir dann beim späteren Reinhören als Anstoß dienen können.

  3. Prof. Dr. Mar­kus Cas­pers 

    Immer mehrere Projekte gleichzeitig haben, zwischendurch kreativ prokrastinieren oder spazieren. 

  4. Jens Bo­schei­nen 

    Auszeiten nehmen. Schreiben muss bei mir aus einer Stimmung entstehen und darf nicht durch Zwang geschehen (wie bei der Musik). Lieber einen Abend in der Therme entspannen und am nächsten Tag frisch ans Werk, als sich zum Schreiben zu zwingen.

  5. Prof. Dr. Phil­ipp Bru­ne 

    Zeitdruck hilft, absolute Ruhe, keine Ablenkung. 

  6. Prof. Dr. Wal­ter Swo­bo­da 

    Wer vor einem leeren Blatt sitzt, hat schon etwas verkehrt gemacht. Es gilt, abzuwarten, bis die Ideen so drängen, dass das Blatt voll ist, bevor man es richtig merkt. Wenn es mal wieder länger dauert bis dahin – was soll's?