Verhandeln gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten im Studium und späteren Berufsleben. Gleichzeitig ist es etwas, das viele junge Menschen als stressig oder einschüchternd erleben, insbesondere dann, wenn es um die ersten „echten“ beruflichen Situationen geht. Klassische Rollenspiele helfen, stoßen aber schnell an Grenzen: Sie hängen stark von der Gruppe, der Tagesform und der Wahrnehmung der Beteiligten ab.
„Beat the Bot 2.0“ wählt einen anderen Ansatz: Die KI-gestützte Verhandlungssimulation schafft eine geschützte Umgebung, in der Lernende ohne Risiko verschiedene Strategien ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen können – und das in einer Tiefe, die klassische Rollenspiele kaum erreichen. Im Mittelpunkt der Entwicklung stand zugleich der gezielte und reflektierte Einsatz von KI: Entscheidend war nicht, was technisch möglich ist, sondern welchen Mehrwert die Technologie bietet.
Das Training ist inzwischen so ausgereift, dass es nicht mehr nur punktuell zum Einsatz kommt, sondern fest in der Lehre verankert wird. Damit stärkt die HNU die praxisnahe Ausbildung von Studierenden und leistet einen wegweisenden Beitrag zur Fachkräfteentwicklung in der Region.
Die Beat-the-Bot-Erfolgsstory
Bereits die erste Version des KI-gestützten Verhandlungstrainings, das im Rahmen des BMBF-geförderten Verbundprojekts InnoSÜD entstand, sorgte für internationale Aufmerksamkeit, erhielt mehrere Auszeichnungen und zeigte, welches Potenzial digitale Technologien für die Vermittlung von Verhandlungskompetenz bieten können.
Mit „Beat the Bot 2.0“ hat das Projektteam den Piloten zu einem Minimum Viable Product (MVP) weiterentwickelt und für den Einsatz in der Lehre fit gemacht. Die neue Version setzt stärker auf die Möglichkeiten von generativer KI und einer rein sprachgesteuerten Interaktion. Aus einem digitalen Verhandlungsexperiment wurde damit eine Trainingsumgebung, in der Lernende ihre individuellen Kompetenzen skalierbar, messbar und kontinuierlich entwickeln können.
Flexibel, konsistent und unabhängig trainieren
Das Beat-the-Bot-Prinzip ist schnell erklärt: Nutzerinnen und Nutzer treten in einer virtuell simulierten Situation in eine Verhandlung mit einem KI-basierten Gesprächspartner. Der Dialog erfolgt vollständig über natürliche Sprache, das heißt, er wird gesprochen statt geschrieben oder geklickt. Die KI reagiert auf die Gesprächsführung und passt den Gesprächsverlauf entsprechend an.
Vorab erfolgt ein Briefing durch einen virtuellen Coach, der auch im Anschluss durch die Reflexion führt und strukturiertes Feedback gibt. Analysiert werden unter anderem Redeanteile, inhaltliches Verständnis, kommunikatives Verhalten und Verhandlungsstil. Eine scorebasierte Auswertung macht die Ergebnisse vergleichbar und zeigt Fortschritte über mehrere Trainings hinweg. Ob im Hörsaal als Simulation oder individuell am Rechner mit Kopfhörer: die Anwendung deckt beides ab.
Verhandeln, analysieren, besser werden
Das Besondere an „Beat the Bot 2.0“ ist das Zusammenspiel von KI, virtueller Simulation und didaktischem Konzept. Im Mittelpunkt steht die Möglichkeit, Verhandlungen wiederholt durchzuspielen und dabei unterschiedliche Strategien auszuprobieren. So können Lernende unmittelbar beobachten, wie sich ihr Verhalten auf den Gesprächsverlauf auswirkt – und sind in ihrer Lernerfahrung deutlich flexibler.
„Ein großer Vorteil von ‚Beat the Bot 2.0‘ ist, dass Lernende Dinge ausprobieren können, für die ihnen in echten Verhandlungen – gerade am Anfang – oft Mut fehlt“, erklärt Prof. Dr. Barbara Dannenmann. „Die virtuelle Umgebung nimmt Druck heraus und eröffnet Freiräume, die in realen Situationen kaum möglich wären.“
Tool kann taktische Verhandlungsleistung um mehr als 30 % steigern
Knapp 40 Studierende durchliefen im Sommer 2026 je vier Simulationen komplexer B2B-Verkaufsverhandlungen mit dem „Beat the Bot 2.0“. Die Ergebnisse sprechen für sich. Das virtuelle Verhandlungstraining steigerte die Leistung der Teilnehmenden deutlich: Die ökonomische Perfomance erhöhte sich um knapp 28 %, die taktische Verhandlungsleistung um gut 33 %. Einzig auf der Beziehungsebene – etwa in puncto wertschätzende Kommunikation – blieb der Fortschritt vorerst überschaubar; hier bedarf es noch intensiverer Trainingseinheiten.
Nächste Schritte: weitere Szenarien, noch stärkere Individualisierung
Die nächsten Entwicklungsschritte sollen insbesondere die Zahl und Vielfalt der Verhandlungsszenarien erhöhen. Zudem wird das Feedback künftig noch stärker auf die individuelle Weiterentwicklung ausgerichtet. Adressiert werden zunächst Lernende, insbesondere Studierende und Berufseinsteigerinnen und -einsteiger; darüber hinaus bietet das System Potenzial für die berufliche Weiterbildung und den Einsatz in Unternehmen.
Für die Forschung eröffnet „Beat the Bot 2.0“ neue Möglichkeiten: Die Simulation erlaubt es, Verhandlungssituationen abzubilden, die im klassischen Rahmen kaum umsetzbar wären, beispielsweise komplexe Konfliktszenarien, ungewöhnliche Rollenwechsel oder Verhandlungen unter Zeitdruck. Weil alle Gesprächsverläufe strukturiert erfasst werden, können Forschende nicht nur Lernfortschritte messen, sondern auch besser verstehen, wie Menschen in herausfordernden Situationen reagieren und welche Strategien wirklich funktionieren.
Wissenschaft trifft Praxis
Die Verhandlungssimulation ist das Ergebnis der engen Zusammenarbeit zwischen HNU und Praxispartner TriCAT: Beide Partner haben wissenschaftliche Expertise und technologische Kompetenz verbunden, um gemeinsam eine innovative Anwendung für Lehre und Weiterbildung zu entwickeln.
Kontakt
Professorin Dr. Barbara Dannenmann
BWL mit Schwerpunkt Vertrieb
Nachricht an Professorin Dr. Barbara Dannenmann
Telefon: 0731/9762-1415
Standort: Hauptgebäude A, A.2.29







