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Hoch hinaus: Angehende Wirtschaftsingenieure entwickeln Roboter nach dem Prinzip eines Weltraumlifts

28.01.2026, Studium:

Mit Kreativität, technischem Geschick und einer großen Portion Teamgeist haben Studentinnen und Studenten des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen (WIN ) im Wintersemester 2025/26 im Modul Projektmanagement eindrucksvoll gezeigt, wie Theorie und Praxis an der Hochschule Neu-Ulm (HNU) zusammenfinden. Die Aufgabe: einen funktionsfähigen Roboter mit 3D-gedruckten Komponenten zu entwerfen und zu bauen, der, angelehnt an das Funktionsprinzip eines Weltraumlifts, selbstständig an einem Seil emporsteigen kann.

Die Lehrveranstaltung fand unter der Leitung von Sieghard Schmetzer, Business Unit Director bei der Ingenics AG, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr.-Ing. Oliver Kunze von der HNU statt. Vor Ort war auch Prof. Dr. Sven Völker von der Technischen Hochschule Ulm, mit der die HNU den Studiengang in Kooperation anbietet. Im Logistik-Labor (LogLab) der HNU standen den Studierenden verschiedene 3D-Drucker zur Verfügung. Technisch gecoacht wurden die Studierenden dazu von Dr. Galiya Klinkova.

Inspiration aus der Raumfahrt

Ein Weltraumlift (engl. „space elevator“) ist ein visionäres Konzept der Raumfahrttechnik: Ein Transportmodul bewegt sich an einem gespannten „Fixseil“ von der Erde in den Orbit, um Nutzlasten ohne Raketenstart in den erdnahen Weltraum zu befördern. Dieses Grundprinzip diente den Studierenden als technisches Leitbild. Ihr Ziel war es, einen funktionsfähigen Prototypen zu entwickeln, der sich ähnlich wie ein „Mini‑Weltraumlift“ vertikal an einem Seil fortbewegen kann. Bewertungskriterien für das Projekt waren u.a. Eigengewicht-Nutzlast-Verhältnis und Funktionsfähigkeit bei variabler Seildicke. Am Tag der praktischen Ergebnispräsentation gab es sogar einen kleinen Wettkampf der Teams untereinander unter der Überschrift: „Wer kann möglichst viel Gewicht möglichst schnell das Seil hinaufklettern lassen?“ 

Von der Planung zum Prototyp

Zu Beginn des Semesters analysierten die Teams Anforderungen, erarbeiteten Projektpläne und entwickelten erste technische Skizzen. Anschließend folgte die praktische Umsetzung:

  • Technische Konzepterstellung
  • Entwicklung von Antriebssystem und Lastaufnahmemittel
  • Auswahl geeigneter Motoren und Steuerungskomponenten
  • Konstruktion individueller Bauteile mittels 3D‑Druck
  • Programmierung der Bewegungsabläufe
  • Testreihen und iterative Optimierung

Die Lösungsansätze waren dabei sehr unterschiedlich, und enthielten sowohl raffinierte Antriebs- & Seilklemmsysteme, ausgetüftelte Umlenkvorrichtungen und für die Anwendung spezifisch umgebaute Fernsteuerungselemente, als auch das ein oder andere pragmatische Gadget, wie z.B. Gummibänder zum Verhindern des Durchrutschens des Seils oder Kabelbinder zur Lastenfixierung.

Projektmanagement zum Anfassen

Neben der technischen Umsetzung stand das methodische Arbeiten im Mittelpunkt. Die Studierenden planten Ressourcen, dokumentierten Risiken, arbeiteten mit agilen und klassischen Methoden des Projektmanagements, agierten im Rahmen von Budgetrestriktionen, erlebten die Stärken und Herausforderungen von Teamwork und präsentierten regelmäßig ihre Fortschritte. Das Projekt wurde so zu einem realitätsnahen Trainingsfeld für zukünftige Projektmanagerinnen und Projektmanager. 

Finale mit Höhenflügen

Beim abschließenden Wettbewerb zeigten die Roboter, wie gut Konstruktion, Teamarbeit, Zeitmanagement und „trouble-shooting“ jeweils ineinandergreifen. Einige Modelle erklommen das Seil in beeindruckender Geschwindigkeit, andere überzeugten durch besondere Tragkraft.

Prof. Dr.-Ing. Oliver Kunze lobte das Engagement und die Vielfalt der Ansätze: „Die Studierenden haben technische Kompetenz, Erfindergeist und unternehmerisches Denken erfolgreich miteinander verknüpft und so kreative Ideen und pragmatische Problemlösungsansätze entwickelt. Damit hat das Projekt einmal mehr gezeigt, wie praxisorientiertes Lernen an der HNU Kreativität, Lösungsorientierung unter Budgetrestriktionen, Teamgeist und Begeisterung fördern kann.“

Ansprechpartner

Prof. Dr.-Ing. Oliver Kunze