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Neu an der HNU: Prof. Dr. Jo­han­nes Scho­bel

30.04.2021, Köp­fe :

Drei neue Professor:innen haben in diesem Semester ihre Arbeit an der HNU aufgenommen. Wir stellen alle neuen Köpfe auf dem Campus einzeln vor.  Den Anfang macht Prof. Dr. Johannes Schobel, Forschungsprofessor im Bereich "Digitale Medizin und Pflege". Er hat uns im Interview Details über seinen Werdegang verraten und berichtet, was ihm an der HNU besonders gut gefällt und welche Pläne er für Forschung und Lehre künftig verfolgt.

Prof. Dr. Jo­han­nes Scho­bel

Prof. Dr. Johannes Schobel (öffnet neues Fenster)
Forschungsprofessor im Bereich "Digitale Medizin und Pflege"

Ver­ra­ten Sie uns et­was über Ih­ren bis­he­ri­gen Wer­de­gang? 

Von meinem Onkel, der ebenfalls als Informatiker tätig ist, habe ich bereits als kleines Kind meinen ersten eigenen Computer bekommen. Er hat mir auch gezeigt, dass man damit mehr als nur Computerspiele spielen kann (auch wenn die Spiele damals für mich viel interessanter waren). Da mein Onkel immer ein großes Vorbild für mich war, wollte ich auch gerne etwas mit Computern arbeiten. Nach meiner Matura (Abitur) bin ich dann nach Ulm zum Studium gekommen und habe dort Informatik (Bachelor und Master) mit Schwerpunkt Medizin studiert. Irgendwie bin ich dann am Institut für Datenbanken und Informationssysteme (DBIS) hängengeblieben und hatte die Möglichkeit, dort zu promovieren. Im Rahmen meiner Promotion habe ich ein Framework entwickelt, welches es Fachanwendern aus der Medizin oder Psychologie ermöglicht, eigenständig mobile Anwendungen zur Datenerfassung zu erstellen. Also quasi ein Art „App-Generator“ für die medizinische Datenerfassung. Über verschiedene Digitalisierungsprojekte (in der Wirtschaft und Forschung) bin ich über Umwege schließlich wieder an der Universitätsklinik Ulm gelandet und habe dort an einer digitalen Plattform gearbeitet, die psychologische Aspekte von Krebspatienten (und deren Angehörigen) erfasst und für medizinisches Personal aufbereitet. Seit März 2021 bin ich hier an der HNU und forsche am Themengebiet „Digitale Medizin & Pflege“.

Wo lie­gen Ih­re Lehr- und For­schungs­schwer­punk­te?

Ich habe im Rahmen meiner Dissertation viel im Bereich „mobile Datenerfassung“ geforscht und Anwendungen dazu entwickelt. Das ist – gerade für mich als Informatiker – sehr spannend, weil ich für diese Arbeit immer andere Personen und deren Anforderungen benötige. Immerhin müssen wir ja für jemanden Daten sammeln – beispielsweise für eine psychologische oder klinische Studie. Und über diese Projekte lerne ich immer andere Forschungsbereiche und Domänen kennen – was mir persönlich unheimlich viel Spaß macht.

Was kann man in Ih­ren Ver­an­stal­tun­gen ler­nen?

Aktuell biete ich eine (Wahlpflicht-)Vorlesung zum Thema „Mobile Anwendungen im Gesundheitswesen“ an. Auf Dauer möchte ich aber auch eine technischere Veranstaltung anbieten, in der ich mit interessierten Studierenden gemeinsam an einer medizinischen Anwendung oder Plattform aus einem realen Anwendungsszenario arbeite und sie umsetze. Ideen dafür gibt es ja genug!

Per­sön­li­ches

Mein Fachgebiet in drei Worten:
... Gesundheitsdaten mobil erfassen
Die HNU ist:
... mit der spannenden Forschungsprofessur zur richtigen Zeit auf meinem Radar erschienen.
Diesen Satz höre von meinen Studierenden am liebsten:
„Bieten Sie auch Abschlussarbeiten zu diesen Themen an?“
Meine aktuelle Lektüre:
“Randall Munroe - What If? Serious Scientific Answers to Absurd Hypothetical Questions”. Dieses Buch bereitet hypothetische “Was wäre wenn”-Fragen wissenschaftlich auf.
Meine nächstes Projekt/Publikation:
Aktuell arbeiten wir an einem Projektantrag, um geistige Gesundheitsprobleme (Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörungen) in afrikanischen Ländern strukturiert zu erfassen und zu dokumentieren. Gewonnene Erkenntnisse sollen helfen, das psychiatrische und psychologische Angebot in ländlichen Regionen von Afrika zu verbessern bzw. die Ausbildung von medizinischem Personal zu fördern.
Das erste, was ich morgens an meinem Arbeitsplatze mache:
Einen Kaffee holen.
Was steht immer auf Ihrem Schreibtisch?
Eine Tasse Kaffee und eine Flasche Wasser.

Wes­halb sind Sie Pro­fes­sor ge­wor­den?

Ich habe bereits während meiner Promotion sehr viel Zeit in die Lehre und die Betreuung von Projekt- und Abschlussarbeiten von Studierenden investiert. Beispielsweise habe ich begleitende Übungen gehalten oder meinen Doktorvater in Vorlesungen unterstützt. Auch nach meiner Promotion – als ich schon nicht mehr am Institut beschäftigt war – war ich als „freier Dozent“ weiterhin für die Universität Ulm tätig. Darüber hinaus habe ich sehr viele Abschlussarbeiten an der Universität betreut. Mir hat die Arbeit mit jungen Menschen immer sehr viel Spaß gemacht – und auch die Freiheit, „mal links und rechts“ zu schauen, und neue spannende Themen kennenzulernen. Für mich war auch immer klar, dass ich gerne dazu beitragen möchte, Wissen zu vermitteln, junge Menschen zu motivieren, Interessen zu wecken und sie einen Teil in ihrem eigenen Entwicklungs- und Lernprozess zu begleiten. Darüber hinaus beschäftige ich mich sehr gerne mit neuen spannenden Themen und überlege, wie man (möglicherweise eingerostete) Prozesse durch digitale Technologien verbessern könnte.

Wie wa­ren Ih­re ers­ten Mo­na­te an der HNU?

Sehr abwechslungsreich, da ich viel Neues kennengelernt habe. Aber die Kollegen, mit denen ich bisher in Kontakt gekommen bin (auch wenn es nur per Videochat war), sind alle super nett und sehr hilfsbereit. Da ich gleich direkt in die Lehre involviert bin, muss ich nebenher Vorlesungsfolien erstellen. Das ist teilweise sehr anstrengend, aber macht auch sehr viel Spaß.

Was hat Sie ge­ra­de nach Neu-Ulm an die HNU ge­führt?

Ich bin bereits während meinem Studium nach Ulm gekommen und mag die Region sehr gerne und fühle mich hier heimisch. Insofern finde ich das natürlich super, dass ich eine tolle Möglichkeit bekommen habe, hier „vor der eigenen Haustüre“ zu forschen und zu lehren. Das Profil der HNU – Wissenschaft und Industrie zu verknüpfen – ist sehr spannend. Immerhin soll Forschung irgendwann ja auch den Weg in die Praxis finden.

Was ma­chen Sie am liebs­ten, wenn Sie nicht ge­ra­de an der HNU leh­ren und/oder for­schen?

Wir haben vor kurzem Nachwuchs bekommen, deswegen verbringe ich meine freie Zeit mit meiner Familie.

Ent­we­der | Oder

Sushi oder Spätzle? Da ich wegen Corona leider schon sehr lange kein Sushi mehr gegessen habe, definitiv Sushi ;)
Camping oder Hotel? Definitiv das Hotel – weil ich gerne in einem richtigen Bett schlafe.
Buch oder Film? Wenn ich die Zeit habe, ein Buch in Ruhe zu lesen, definitiv das Buch.
Allgäuer Alpen oder Bodensee?  Da ich vom Bodensee komme, lieber den See – das kann ich dann mit einem Heimatbesuch verbinden ;)
Kaffee oder Tee? Als leidenschaftlicher Softwareentwickler muss ich hier natürlich Kaffee wählen. Eigentlich aber am Liebsten nur ganz normales Wasser.
Fahrrad oder Auto? Für den Arbeitsweg aber lieber Bus und Straßenbahn.
Sofa oder Sessel? Um abends zu entspannen, lieber das Sofa.
Zettelwirtschaft oder Notizbuch-App? Ein Schreibtisch ist nur dann ein Schreibtisch, wenn viele Zettel drauf rumliegen ;)
Waldspaziergang oder Großstadttrip? Ich bin gerne mal zum Urlaub in einer Großstadt – wohnen möchte ich aber nicht dort.