Un­ter­stüt­zung für Sti­pen­di­en­in­ter­es­sier­te

Von Stipendien haben Sie schon einmal gehört – Sie  wissen aber nicht, ob und wie auch Sie sich in Ihrem Studium fördern lassen können, und blicken im Stipendiendschungel einfach noch nicht so recht durch?
Dann sind Sie hier richtig: Prof. Dr. Ulrike Reisach beantwortet Fragen zur Stipendienkultur an der HNU und gibt wertvolle Tipps rund um Voraussetzungen, Bewerbung und Chancen auf eine Studienförderung.

Gut zu wissen

In Deutschland gibt es über 3.000 unterschiedliche Institutionen, die Studierende ideell und finanziell fördern. Die Bandbreite der Förderungen ist groß: Erhalten können sie sowohl Studienanfänger:innen als auch Fortgeschrittene oder Studierende, die gerade ihre Abschlussarbeit schreiben – ganz unabhängig von ihrer Fachrichtung oder Schwerpunktwahl. Eine Bewerbung lohnt sich in jedem Fall!

Als Vertrauensdozentin der Studienstiftung des deutschen Volkes möchte ich meine eigenen Erfahrungen weitergeben und HNU-Studierende ermutigen, offen, neugierig, kritisch und zielorientiert zu studieren.

Prof. Dr. Ulrike Reisach

Pro­fes­so­rin Dr. Ul­ri­ke Rei­sach

Alumnibeauftragte der Fakultät Informationsmanagement

Internationalisierungsbeauftragte der Fakultät Informationsmanagement

Telefon: 0731/9762-1512

Standort: Hauptgebäude A, A.1.53

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Professorin Dr. Ulrike Reisach

[1] Weshalb liegt Ihnen die Stipendienkultur an der HNU so am Herzen?

Da ich selbst fünf Jahre von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert wurde, weiß ich, wie hilfreich das für die eigene Entwicklung sein kann: Ich habe viele und sehr beeindruckende Menschen kennengelernt, wurde motiviert durch deren Vorschläge und Vorbild, habe Sommerakademien miterlebt und eigene Ideen eingebracht. Diese Erfahrung möchte als Vertrauensdozentin der Studienstiftung des deutschen Volkes weitergeben und die HNU-Studierenden dazu ermutigen, offen, neugierig, kritisch und zielorientiert zu studieren. Bei sehr guten Studienergebnissen können sie sich bei der Studienstiftung bewerben. Aktuell sind vier HNU-Studierende Mitglieder der Studienstiftung, zwei weitere bewerben sich gerade, und zwei ehemalige HNU-Studierende arbeiten gerade mit einem Promotionsstipendium an ihrer Doktorarbeit an der Universität Ulm.

Mir hat es  als Stipendiation sehr geholfen, mit Prof. Dr. Siegfried Stotz einen hervorragenden Vertrauensdozenten gehabt zu haben. Als Experte auf dem Feld der Cerebralparese hat Prof. Dr. Stotz das Spastiker-Zentrum in München aufgebaut und uns gezeigt, wie vielen Kindern so geholfen werden konnte. Er hat mich, die anderen Stipendiatinnen seiner Gruppe und seine ganze Familie eingebunden in Gesprächskreise und sehr schöne und lehrreiche Exkursionen ganz unterschiedlicher Art. Das versuche ich mit meinen 15 Stipendiat:innen der Ulmer Gruppe ebenfalls zu tun (in der Pandemie ging das leider oft nur virtuell), und oft arbeiten wir zusammen mit den zehn anderen Vertrauensdozent:innen der Ulmer Gruppe und den Expert:innen der Studienstiftung.

Der Kontakt zu den Stipendiat:innen bleibt bestehen, manchmal treffen wir uns bei einem Event der Studienstiftung (Konzert, Vorträge, Jahrestagung, Exkursionen in Europa). Aus diesen Kontakten ergeben sich persönliche, berufliche und wissenschaftliche Gelegenheiten, Erfahrungen auszutauschen und zusammen zu arbeiten. Mit zwei ehemaligen Stipendiatinnen habe ich beispielsweise Bücher geschrieben, mit anderen Veranstaltungen gemacht, und wurde nie enttäuscht.

[3] Was ist dran an dem hartnäckigen Vorurteil, dass es Stipendien nur für „Überflieger:innen“ gibt?

Diese Sorge hatte ich auch, als ich nach dem Abitur eingeladen wurde. Aber ich war dann erleichtert beim Auswahlseminar, die waren alle nett und normal im Umgang und sowohl persönlich als auch thematisch anschlussfähig. Studienstiftler:innen zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit den anderen rasch in ein gutes Gespräch über alles Mögliche kommen.

Erwartet wird aber schon etwas, nämlich Leistung, Initiative, Verantwortung. Im fachlichen Bereich werden ausgezeichnete Kenntnisse im Studienfach und Interessen und nachhaltige Aktivitäten außerhalb des Studienfaches vorausgesetzt. Leistungen werden im Kontext beurteilt, das heißt, es werden auch der zurückgelegte Weg bzw. etwaige biographische Hürden beachtet. Auf diese Art können auch Studierende, deren Lebenslauf vielleicht etwas schwierig oder unkonventionell ist, dennoch zeigen, was sie motiviert, was sie trotz aller Umstände erreicht haben und was sie für die Zukunft planen.

Übrigens können auch Studierende aus EU-Mitgliedsstaaten gefördert werden, sofern sie in Deutschland studieren und hier einen Abschluss anstreben. Das gilt auch für andere ausländische Studierende, wenn sie die deutsche Hochschulzugangsberechtigung erworben haben und dauerhaft aufenthaltsberechtigt in Deutschland sind.

Eine Bewerbung lohnt sich immer, auch das Dabeisein ist oft schon eine hilfreiche Erfahrung.

Prof. Dr. Ulrike Reisach

[5] Was sollte man einer Bewerbung unbedingt tun – und was sind die klassischen Fehler?

Da gelten natürlich vor allem die klassischen Tugenden, nämlich pünktlich, systematisch und freundlich dem Bewerbungsprozess folgen:

  • Schulvorschlag, Schülerwettbewerbe, Selbstbewertung, Vorschlag durch Hochschullehrer:innen (ab dem 3. Semester)
  • Einladung zum Auswahlseminar der Studienstiftung (normalerweise ein Wochenende, während der Pandemie auch virtuelle Auswahlseminare) 
  • Chance, im persönlichen Gespräch zu überzeugen: zwei Einzelgespräche und sechs Gruppendiskussionen (inkl. eines eigenen Kurzreferates)
  • Keine Vorauswahl, keine Aufnahmequote, unabhängige Kommissionen entscheiden über Aufnahme.

Ansonsten kann ich nur empfehlen, relativ entspannt und authentisch zu sein. Dabei sein ist oft schon mal eine schöne Erfahrung, die natürlich in Präsenz (meist in Jugendherbergen) sehr viel kommunikativer ist, als wenn man virtuell kommuniziert. Als Präsenzveranstaltung macht es mehr Spaß, da hat man zweieinhalb Tage mit anderen Kandidat:innen, lernt sich kennen, quatscht und diskutiert und manchmal bringt auch einer eine Gitarre mit für den Abend. Zwischendrin finden die Gespräche mit den Juror:innen und die 5 Gruppensessions statt. Am stressigsten ist das Ganze für die Juror:innen, die die CVs von vielen Studierenden lesen, Gespräche mit den Kandidat:innen führen und auch die Gruppendiskussionen evaluieren. Wir Jurymitglieder waren immer noch bis zum Sonntagabend damit beschäftigt, die jeweils drei Bewertungen der vielen einzelnen Studierenden sachlich zu diskutieren und auch die zurückgelegten Wege bzw. etwaige biographischen Hürden zu beachten.

Einige Studierende haben im Nachhinein reflektiert, warum sie nicht zum Zug kamen – das sind wichtige Erfahrungen und ich kann diese gerne weitergeben, wenn Sie vor Ihrem Auswahlseminar stehen.

[2] Was raten Sie Studierenden, die davon ausgehen, dass ihr Lebenslauf für ein Stipendium nicht ausreicht  und die sich deshalb vielleicht gar nicht bewerben?

Die sollen sich bei mit melden, dann kann ich ihnen zuhören und sie ermutigen! Das gilt besonders für Studierende, die vom Studien- und Prüfungsamt eine Nachricht bekommen, dass sie sich mit ihren guten Ergebnissen jetzt bei der Studienstiftung bewerben können. Das ist eine riesige Chance und es wäre schade, wenn wir Studierende haben, die super sind, sich aber sich nicht trauen. Wenn etwa unklar ist, welche Form des sozialen Engagements gemeint ist, dann kann ich helfen, denn auch wer eine Kindergruppe leitet oder seit zwei Jahren Geschwister im virtuellen Unterricht unterstützt, zeigt einen wertvollen Beitrag. Eine gewisse Scheu kann aber auch daran liegen, dass Studierende in den ersten drei Semestern die Dozent:innen nur virtuell kennen und nicht wissen, wen sie wie und wo ansprechen könnten oder sollten. Dafür bin ich da.

Übrigens gibt es auch einen Vorschlag durch Hochschullehrer:innen (ab dem 3. Semester, Vorschläge können das ganze Jahr über eingereicht werden) und eine Selbstbewertung. Wer beispielsweise in höheren Semestern aufblüht und in Projekten und Bachelorarbeiten herausragende Leistungen zeigt, der kann auch die betreuenden Professor:innen bitten, einen Vorschlag einzureichen.

Keine Scheu vor den Bewerbungsvoraussetzungen! Auch wer eine Kindergruppe leitet oder seit zwei Jahren Geschwister im virtuellen Unterricht unterstützt, zeigt wertvolles soziales Engagement.

Prof. Dr. Ulrike Reisach

[4] Welche Angebote und Anlaufstellen an der HNU kann man nutzen, wenn man sich weiterführend über Stipendien informieren möchte?

Jedes Jahr im April veranstaltet die HNU mit Prof. Dr. Klaus Rederer, PD Dr. Elmar Buchner und mir einen „Stipendieninfotag“. Dort werden das Deutschland-Stipendium und die unterschiedlichen Begabtenförderungswerke vorgestellt. Wir laden auch Studierende ein, die schon ein Stipendium haben, damit sie den potentiellen neuen Kandidat:innen von ihren Erfahrungen erzählen. Aber natürlich sind wir auch während des ganzen Jahres gesprächsbereit und freuen uns über motivierte Studierende.

Die Studienstiftung ist das älteste und größte Begabtenförderungswerk in Deutschland. Sie wird finanziell von Bund, Ländern und Kommunen sowie von zahlreichen Stiftungen, Unternehmen und privaten Spendern getragen. Sie ist, um Unterschied zu vielen anderen Förderungswerken, politisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängig. Politische Überzeugung, Weltanschauung und Religion spielen bei der Auswahl keine Rolle. Im Unterschied zum Deutschland-Stipendium fördert die Studienstiftung Studierende bis zum Ende der Regelstudienzeit, inklusive Master (jedoch nicht für Zweit-, Zusatz- oder Aufbaustudien).

[6] Welchen grundsätzlichen Rat können Sie Studierenden mit auf den Weg geben, die nach Unterstützung/Förderung suchen?

Mit ihren Dozent:innen sprechen und auch gut und gerne mal im Internet recherchieren: sowohl die Studienstiftung als auch alle anderen Begabtenförderungswerke haben Webseiten mit Infos. Sie sind auch auf den sozialen Medien aktiv und natürlich berichten auch manche Studierende im Internet, wie es ihnen erging. Die Studienstiftung hat auch auf Spotify einen recht guten Alumni-Podcast, da hört man auch, wie ehemalige Stipendiat:innen zu richtig tollen Forscher:innen wurden und wie sie durch die Studienstiftung unterstützt wurden.

[7] Was war Ihr schönstes „Erfolgserlebnis“ in diesem Zusammenhang?

Das war ein IMUK-Studierender, ein aufgeschlossener und engagierter junger Mann, der im Allgäu mit drei jüngeren Geschwistern aufgewachsen war und viel Sport machte. Erst in den letzten beiden Hauptschuljahren wuchs sein Interesse, Neues zu lernen und die Welt kennenzulernen. Er besuchte die weiterführende Fachoberschule und kam zu uns an die HNU. In meinen Kursen Corporate Communications II und Intercultural Management zeigte er großes Interesse, stellte gute Fragen und nutze die englischsprachige Fachliteratur. Er erreichte hervorragende Ergebnisse, in fachlicher Hinsicht ebenso wie mit Blick auf Teamarbeit und Präsentationsfähigkeiten. Als Tutor arbeitete er für das International Office, wirkte bei der studentischen Unternehmensberatung Ponte e.V. und beim Alumni-Projekt Health Care Management in Tansania mit. Im Zuge dieser Aktivitäten entwickelte er den Ehrgeiz, mehr zu erreichen.

Sein Praxissemester hat er in Singapur verbracht, wo er sechs Monate lang für eine deutsche Firma Kommunikationsstrategien für den asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum entwickelte. Zugleich war er während dieser Zeit als Freiwilliger bei einer Non-Profit Organisation in Singapur, die einkommens- und bildungsschwächere Schüler:innen unterstützt. Dort lehrte eineinhalb Stunden jede Woche, am Abend, Unterricht für benachteiligte Jugendliche, ergänzend zum Firmen-Praktikum.

Aufgrund dieser Leistungen und Aktivitäten war es nicht schwer, ihn für die Studienstiftung des deutschen Volkes zu empfehlen. Er wurde dort Stipendiat und zugleich bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und erhielt die Förderung der Fulbright-Kommission für ein Masterstudium in Boston.

Im­pres­sio­nen aus der Stu­di­en­stif­tung