Afrikanische Volkswirtschaften sind nach wie vor sehr anfällig für globale Schocks und Preisschwankungen auf dem Lebensmittelmarkt. Um ihre Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, gewinnen zirkuläre und regenerative Strategien zunehmend an Bedeutung. Die meisten Forschungsergebnisse zur Kreislaufwirtschaft stammen allerdings aus Industrieländern und beschäftigen sich mit industriellen Wertschöpfungsketten. Wie zirkuläre Praktiken in Schwellen- und Entwicklungsländern entstehen, ist hingegen bislang kaum erforscht worden.
Unter dem Titel „Paving The Path To A Sustainable Food System? Examining Circular Business Model Innovation In Rwanda’s Agri-Food Sector“ widmeten sich die Forschenden am Afrika-Institut dieser Forschungslücke gemeinsam mit ihren Partnern: Sie untersuchten Wissen, Einstellungen und Praktiken rund um zirkuläre Geschäftsmodelle in Agrarunternehmen in Ruanda mittels eines zweistufigen Forschungsdesigns. In der ersten Phase führten sie halbstrukturierte Interviews mit Agrarunternehmen sowie einem Wirtschaftsverband. In der zweiten Phase diskutierten sie die Ergebnisse mit einem größeren Kreis von Akteurinnen und Akteuren aus dem Agrar- und Lebensmittelsektor, um sie zu validieren und einzuordnen.
Kreislaufwirtschaft in der Praxis: Ergebnisse der Studie
Die Ergebnisse zeigen: Obwohl Rentabilität eine Rolle spielt, sind viele Unternehmen auch von Umweltbewusstsein und sozialer Verantwortung getrieben und engagieren sich trotz begrenzter politischer Unterstützung. Zwar sind viele Unternehmen mit den effizienzsteigernden und kostensenkenden Strategien der Kreislaufwirtschaft vertraut, aber die tiefgreifenderen, transformativen zirkulären Prinzipien des „10R Frameworks“ sind weniger bekannt und werden selten umgesetzt. Und: Häufig werden Praktiken der Kreislaufwirtschaft angewandt, aber nicht als solche bezeichnet – ein Grund dafür ist, dass es bislang keine gemeinsame Definition der Kreislaufwirtschaft im Agrar- und Lebensmittelsektor gibt. Dies schränkt die Möglichkeiten ein, Initiativen der Kreislaufwirtschaft zu identifizieren, zu unterstützen und auszuweiten.
Das Fazit der Forschenden: Eine stärkere Zusammenarbeit innerhalb der Branche, die Nutzung von Unternehmens- und Gründerzentren sowie engere Partnerschaften mit Hochschulen könnten Innovationen in der Kreislaufwirtschaft deutlich beschleunigen – über die bisherigen internationalen Förderprogramme hinaus.
Zur Publikation
Kim, S.K., Taremwa, N.K., Vasanthakaalam, H. et al. Paving The Path To A Sustainable Food System? Examining Circular Business Model Innovation In Rwanda’s Agri-Food Sector. Circ.Econ.Sust. 6, 79 (2026). https://doi.org/10.1007/s43615-026-00749-x
Die Studie wurde vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (Fördernummer 57570960) mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.
Ansprechpartnerin
Vanessa Robertson





