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HNU Healthcare Management Insights #47

10.12.2025, Dialoge:

In der Interviewserie befragt Prof. Dr. Patrick Da-Cruz wechselnde Expertinnen und Experten zu aktuellen Themen aus dem Gesundheitsbereich. In der neuesten Ausgabe spricht er mit John Victor Lopes über Pflegekommunikation. 

Die Gesprächspartner

Prof. Dr. Patrick Da-Cruz ist Professor für Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsmanagement an der Fakultät Gesundheitsmanagement der Hochschule Neu-Ulm (HNU) sowie wissenschaftlicher Leiter des MBA-Programms Führung und Management im Gesundheitswesen.
Vor seiner Tätigkeit an der HNU war Herr Da-Cruz bei namhaften Strategieberatungen im Bereich Pharma / Healthcare sowie in Führungsfunktionen in Unternehmen der Gesundheitswirtschaft im In- und Ausland tätig.

Prof. Dr. Patrick Da-Cruz

John Victor Lopes ist Pflegefachperson, Praxisanleiter und einer der ersten hauptberuflichen Corporate Influencer im deutschen Gesundheitswesen. Im Marienkrankenhaus Hamburg verantwortet er die Social-Media-Kommunikation der Pflege und zeigt, wie glaubwürdige Öffentlichkeitsarbeit aus der Praxis heraus funktioniert. Zuvor entwickelte er bei einem der größten Pflegeheimbetreiber Norddeutschlands ein Social-Media-Konzept mit bundesweiter Aufmerksamkeit. Plattformübergreifend erreicht er mit über 100.000 Followern monatlich Millionen Menschen und zählt damit zu den reichweitenstärksten Pflege-Creatoren in Deutschland. Er ist weitergebildet als Praxisanleiter, Wundexperte, Palliative-Care, Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege sowie Social Media Manager. Seine Arbeit wurde unter anderem vom Bundesministerium, dem ARD Morgenmagazin und dem ZDF heute journal aufgegriffen. Er setzt sich dafür ein, dass Pflege von Menschen aus der Pflege sichtbar gemacht wird – modern, nahbar und fachlich.

Instagram: johnfit_praxisanleiter
TikTok: johnfitpraxisanleiter
LinkedIn: John Victor Lopes

John Victor Lopes

Wie kann Social Media glaubwürdig genutzt werden, um das Image von Pflegeberufen zu stärken?

John Victor Lopes: Glaubwürdigkeit entsteht nur, wenn Pflegekräfte selbst sichtbar sind. Keine Stockfotos, keine inszenierten Kampagnen, kein Marketing-Sprache. Pflege ist nahbar, emotional, fachlich anspruchsvoll und genau das muss man zeigen. Ich bin überzeugt: Social Media kann das Bild der Pflege komplett verändern, wenn man nicht über den Beruf spricht, sondern aus der Pflege heraus. 
Die Menschen, die direkt am Bett stehen, die Teams, die Auszubildenden, der Alltag zwischen Humor, Stress, Teamwork und Professionalität: Genau das zieht die Leute an. Wenn echte Pflegekräfte erzählen, warum sie ihren Job lieben, wo sie an Grenzen stoßen und was sie motiviert, verändert das mehr als jede klassische Imagekampagne. 
Und Social Media gibt der Pflege endlich die Möglichkeit, ihr eigenes Bild zu prägen, nicht das, was andere von außen darüber erzählen. Das macht langfristig viel mehr mit dem Image als jede bundesweite Kampagne.

Welche Rolle spielen Pflegende selbst als Content Creator oder Corporate Influencer im Vergleich zu externen Dienstleistern?

John Victor Lopes: Pflegende sind die wirklichen Expertinnen und Experten. Pflege gewinnt dadurch ein Gesicht und eine Stimme.  Keine Agentur der Welt kann das ersetzen, was jemand aus der Praxis erzählen kann. Externe können professionell produzieren, aber sie fühlen Pflege nicht. Ein Corporate Influencer aus der Pflege bringt Fachlichkeit, Glaubwürdigkeit, Identifikation und Vertrauen zusammen. 
Die stärksten Inhalte entstehen dort, wo echte Pflegekräfte selbst zu Wort kommen. Genau das habe ich in der stationären Altenpflege über mehrere Jahre erlebt und jetzt im Krankenhaus wieder: Videos aus dem Alltag erreichen Millionen Menschen, weil sie ungeschönt und echt sind. Wir brauchen viel mehr Creator aus der Pflege, die ihre Perspektive einbringen. Das verändert nicht nur die Wahrnehmung der Öffentlichkeit, sondern auch das Selbstbewusstsein der Branche intern, weil man zeigt, wie modern und vielfältig Pflege heute eigentlich ist.

Wo liegen die Grenzen zwischen professioneller Kommunikation und persönlicher Darstellung im Pflegekontext?

John Victor Lopes: Es geht immer um Verantwortung, Respekt und die Frage: Welche Botschaft sende ich?
In der Altenpflege habe ich auch mit Bewohnerinnen und Bewohnern gedreht – immer mit Einwilligung, immer mit Fingerspitzengefühl und immer mit dem Ziel, Pflege menschlich zu zeigen. Viele kennen meine Videos mit Albert, die viral gegangen sind, weil sie echte Beziehung und Humor gezeigt haben. Genau das ist Pflege.
Heute im Krankenhaus filme ich bewusst nicht mit Patientinnen oder Patienten. Der Fokus liegt auf Mitarbeitenden, Auszubildenden, Teamsituationen und dem echten Arbeitsalltag mit derselben Portion Ehrlichkeit, Humor und Professionalität, nur aus einer anderen Rolle heraus. 
Authentisch heißt für mich nicht „privat“. Es heißt: reflektiert, echt und verantwortungsvoll. Nähe zeigen ist okay, solange man Grenzen kennt und respektiert. Diese Balance ist nicht riskant, sie ist sogar eine Stärke, wenn man sie bewusst hält.

Welche Plattformen eignen sich besonders für die Ansprache von Pflegefachkräften – und warum?

John Victor Lopes: Instagram, TikTok und teilweise Facebook sind aktuell die stärksten Plattformen, wenn es um Reichweite, Austausch und Community geht. Dort erreicht man Auszubildende, junge Pflegekräfte, aber auch Teams, Einrichtungen und Angehörige. LinkedIn funktioniert sehr gut für Führungskräfte, Branchenkommunikation, Karrierewege und Fachthemen.
Entscheidend ist aber weniger die Plattform als die Art, wie man kommuniziert. Hochglanz funktioniert nicht. Gestellte Szenen funktionieren nicht. Pflege braucht echten Alltag, Dialog, Wiedererkennung und Menschen, die das wirklich leben. Deshalb sind kurze Reels, ehrliche Einblicke und klare Botschaften so effektiv.

Welchen Nutzen haben Gesundheitsbetriebe durch ein professionelles Social Media Marketing in der Pflege?

John Victor Lopes: Der Nutzen ist messbar: Reichweite, Bewerbungen, Image, interne Identifikation, Teamstolz – alles profitiert, wenn Pflege sichtbar wird. Ich habe in kurzer Zeit mit authentischem Content Millionen Aufrufe erzielt und daraus reale Bewerbungen, Gespräche und Kooperationen generiert. 
Ich entwickle Ideen, Texte und Videos komplett selbst: aus dem Alltag, für den Alltag. Mitarbeitende werden aktiv einbezogen, damit ihre Sichtweisen Teil der Inhalte werden. Dadurch entsteht nicht nur Content, sondern eine ganz eigene Dynamik im Team: Menschen fühlen sich gesehen, wertgeschätzt und eingebunden. Genau dieser Effekt sorgt dafür, dass Kommunikation intern etwas auslöst und extern glaubwürdig bleibt. Für Einrichtungen ist Social Media längst kein „nice to have“ mehr – es ist ein echter Wettbewerbsvorteil, wenn es authentisch gemacht wird.
Unterm Strich: Pflege wird erst dann wirklich sichtbar, wenn Menschen aus der Pflege selbst erzählen. Genau das mache ich  authentisch, nah dran und mit einem Konzept, das es so in Deutschland kaum gibt. Wenn dadurch mehr Stolz, mehr Bewerbungen und mehr echte Aufmerksamkeit entstehen, zeigt das, was möglich ist, wenn Pflege ihre Geschichte selbst erzählt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die in den Interviews dargestellten Inhalte und Aussagen spiegeln die Perspektive der Gesprächspartner wider und entsprechen nicht notwendigerweise der Position der Redaktion.