Die Masterarbeit schreibt meine KI (Artikel der Süddeutschen Zeitung)

24.10.2025, Studium:

Dass Chat-GPT einiges verändern wird, war Claudia Kocian-Dirr klar. Keine Panik, sagte sich die Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Neu-Ulm. Bei ihr sollen Studenten Aufgaben jetzt mit der KI lösen. Ernsthaft?

Von Max Ferstl und Elisa Schwarz | Der Artikel erschien in der Wochenend-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (SZ) am 4./5. Oktober auf Seite 3.

Dass da gerade etwas Großes passiert, wurde Claudia Kocian-Dirr an einem Abend vor dem Kachelofen klar. Es war im Dezember 2022, sie saß zu Hause auf der Holzbank und sah einen Artikel über dieses neue Programm aus Amerika: „Chat-GPT steht allen Interessierten offen.“ Ein Programm, das kann, was bisher in der Form undenkbar schien: Fragen beantworten, Liedtexte schreiben, sogar Gespräche führen.

Claudia Kocian-Dirr hat sich dann gleich mal einen Account angelegt, sie ist schließlich Wissenschaftlerin und als solche grundsätzlich neugierig. Und was soll sie sagen? Dieses Chat-GPT war viel besser als alle anderen Sprachprogramme, die sie bisher kannte. Es war fast, als unterhielte sie sich mit einem Menschen. Sie weiß noch, wie sie ihrem Mann vorgeschwärmt hat. Wie sie dachte: „Geil, jetzt sind wir angekommen, jetzt geht’s ab.“

Wann immer ihr eine Frage durch den Kopf ging, wusste Chat-GPT die Antwort: Wer ist Banksy? Wie lang ist der Urknall her? Was sind gute Bewertungskriterien für einen Kurzvortrag? Eine nicht ganz unwesentliche Info für sie, die Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Neu-Ulm.

Es geht hier ja nicht um schummelnde Studenten, sondern ums große Ganze.

Und natürlich hat sie sich gleich am Anfang gefragt: Wie erkläre ich das meinen Studierenden? Noch im Winter besuchte sie also Fortbildungen zum Thema künstliche Intelligenz, schaute sich Online-Vorlesungen der Harvard Business School an, bastelte ein Skript mit den Einstiegsfragen: Wer ist schlauer? Du oder die KI? Plante die ersten Prüfungen, die ihre Kursteilnehmer nicht mehr allein lösen mussten, sondern mithilfe von Chat-GPT. Überlegte also, wie sie es schaffen könnte, ihre Studenten nicht alleinzulassen, mit dem, was da kommen würde. Denn für Kocian-Dirr war klar: Aufhalten lässt sich hier gar nichts mehr.

 Neunzig Prozent der Studentinnen und Studenten in Deutschland nutzen mittlerweile KI, hat eine Studie der Hochschule Darmstadt im März 2025 herausgefunden. Sie bauen sich ihren Vorlesungsplan, fragen Chat-GPT, in welcher Bar die Happy Hour ist, wie man am besten flirtet. Aber sie erstellen damit auch ganze Referate, lassen sich Seminararbeiten schreiben und, statt mal selber in die Bibliothek zu gehen und in Platons „Politeia“, zu blättern, fragen sie lieber: „Chat-GPT, was steht da drin?“  In den Professorenzimmern und Dekan-Stuben hat längst das große Schwitzen begonnen. Die Studierenden verlernen das Denken, werden noch fauler, als sie ohnehin schon sind. Tricksen noch dreister. „Jeder schummelt sich durch die Uni“, titelte das New York Magazin im Mai. Von einer „Cheating Crisis“ ist die Rede. Davon, dass Klausuren entwertet würden, wenn eine App die Antworten in wenigen Sekunden ausspuckt. Und wenn man nicht ganz danebenliegt, geht es nicht nur um ein paar schummelnde Studenten, sondern ums große Ganze. Ob ein Programm plötzlich die große Wissenschaft in eine Sinnkrise stürzen kann.

Ein Dienstag Ende September an der Hochschule Neu-Ulm. Unten im Foyer wuseln schon die Erstsemester rum, große Einführungswoche vor dem Semesterstart, schüchterne Blicke, wisst ihr, wo es hier zur Stadtrallye für die Erstis geht? Oben im ersten Stock öffnet Claudia Kocian-Dirr die Tür zu ihrem Büro, weiße Bluse, warmes Lächeln. Keine Professorin, vor der die Studenten zittern, wenn’s in die Sprechstunde geht. Rechts steht ein Schreibtisch, am Fenster eine Elefantenstatue, weil Elefanten doch so kluge Tiere sind. Links an der Wand hängt ein Schaubild, das Claudia Kocian-Dirr gezeichnet hat. Nicht mit einer KI, sondern ganz klassisch mit einem dicken Buntstift. Erst mal eine kleine Einführungsvorlesung in die Geschichte der künstlichen Intelligenz. Da war der Turing-Test in den Fünfzigerjahren, der prüfen sollte, ob ein Computer menschliches Denkvermögen zeigen kann. Da war das Programm „Eliza“, das 1966 eine Unterhaltung zwischen Mensch und Computer ermöglichte. Und da war der damalige Schachweltmeister Garri Kasparow, der 1997 gegen den Schachcomputer Deep Blue antrat, um die Ehre der Menschheit zu verteidigen. Doch Kasparow verlor. In dem Moment war sich Kocian-Dirr sicher: „Es gibt Dinge, die der Computer besser und schneller kann als der Mensch.“ 

Erste Erkenntnis: Die Revolution hat schon lang vor Chat-GPT angefangen. Und klar, dass kann einem natürlich Angst machen, der Computer als besserer Mensch. Aber es bringt doch nichts, in Panik zu verfallen, sagt Kocian-Dirr. Erstens, weil sich der Fortschritt sowieso nicht stoppen lässt. Zweitens, weil es doch ihre Verantwortung ist, die Studenten auf diese neue Welt vorzubereiten. Sie sieht ja die Stellenausschreibungen der Unternehmen, in denen nichts mehr von Word-Kompetenzen oder Excel steht, sondern: „Umgang mit KI-Tools erwünscht“. Und weil sie, drittens, nicht nur die Gefahren sieht, sondern auch die Vorteile. Ein Beispiel? Kocian-Dirr kramt in ihrem Papierstapel auf dem Schreibtisch und zieht eine Aufgabe raus, die sie ihren Studenten im Fach Digital Enterprise Management mal gestellt hat: Halte einen Kurzvortrag zu einem Thema deiner Wahl, zwei Minuten, schön frei sprechen. Und ganz wichtig: Nutze dafür Chat-GPT.

Wenn es richtig holpert im Text, war vermutlich ein Mensch am Werk

Natürlich war da erst mal großes Staunen im Hörsaal, wow, krass, wir müssen gar nicht selber arbeiten? Aber ganz so einfach war es dann doch nicht. Denn die Studenten sollten nicht nur übernehmen, was die Maschine ausspuckte. Sondern das Ergebnis anschließend kritisch hinterfragen, schriftlich. Benotet wurden dann der Vortrag, die Befehle, die sie in das Programm eingaben, und vor allem die schriftliche Reflexion. Reflektieren kann Chat-GPT nämlich nicht so gut, sagt Claudia Kocian-Dirr. Früher waren die Vorträge in ihren Kursen oft sehr langweilig, „Sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich, dass ich heute hier sein kann“, so ging das über zwanzig Minuten. Und plötzlich standen da ihre Studis vor ihr und redeten, als hätten sie gerade einen Debattierwettbewerb gewonnen. Einer brachte – Thema: Selbstreflexion – sogar einen Spiegel mit, um sein Innerstes zu offenbaren. „Stellen Sie sich vor, Sie sehen nicht Ihr Gesicht, sondern Ihre Seele.“ Am Ende gab es großen Applaus, und im Büro sagt Kocian-Dirr: „So lustige Sachen hab’ ich früher nicht gehabt.“ Man will jetzt natürlich nicht den mies gelaunten Kulturkritiker geben, aber ist das noch eine eigene Leistung, wenn die guten Ideen aus einem Programm kommen? Kocian-Dirr lächelt, das ist natürlich eine Frage, die sie auch ziemlich beschäftigt. Moment, sie blättert weiter im Stapel, legt die Reflexionen der Studenten auf den Tisch, also den Teil, den sie allein schreiben mussten. Wie sie das Ergebnis der KI bewerten, was Chat-GPT gut gemacht hat und wo sie Fehler entdeckt haben. Einer schrieb, dass nicht alle Quellen dem wissenschaftlichen Niveau entsprächen. Einmal hätte Chat-GPT eine Marketingagentur zitiert. Ein anderes Mal behauptete Chat-GPT, ein Zitat stamme von Oprah Winfrey, was schlicht nicht stimmte. Ein Kursteilnehmer bemängelte die „nicht immer eleganten“ Formulierungen. Und der Student, der den Auftritt mit dem Spiegel hingelegt hatte, war ganz überrascht, wie lang es dann doch dauerte, bis das Ergebnis vortragsreif war. Ein Befehl reichte noch lang nicht, er musste die Eingaben immer wieder verfeinern. Am Anfang schlug ihm Chat-GPT statt des Spiegels eine Flasche vor, warum, hat er selber nicht verstanden. Er musste das Programm erst auffordern, einen anderen Gegenstand zu suchen. Und trotzdem war er am Ende nicht ganz zufrieden: zu viele Beispiele, zu wenig inhaltliche Tiefe. Und einen roten Faden habe ihm die KI auch nicht geliefert, schreibt der Student in seiner Reflexion. 

Letztlich geht es doch darum: Nicht einfach jeden Quatsch zu übernehmen, sondern zu lernen, wie das Programm funktioniert. Die Ergebnisse einordnen zu können, damit der Mensch die KI beherrscht. Nicht umgekehrt. Wenn Claudia Kocian-Dirr einem Erstsemester erklären müsste, wie diese KIs eigentlich funktionieren, würde sie mit dem Papagei anfangen. Einem Papagei, der immer zuhört und sich alles merkt. Und wenn man ihn dann etwas fragt, plappert er nach, was er am häufigsten gehört hat. Egal, ob richtig oder falsch. Zudem kann es passieren, dass der Papagei einfach Dinge erfindet, warum, weiß keiner so genau. Nach diesem Prinzip funktionieren, grob vereinfacht, Programme wie Chat-GPT oder Gemini. Ziemlich kompliziert das alles. Und natürlich ist am Ende auch die große Frage, wie man überhaupt noch unterscheiden kann, was ein Mensch geschrieben hat und was ein Programm. Aber Kocian-Dirr hat da mittlerweile einen geübten Blick. Noch mal schnell in die Reflexionen ihrer Studenten geschaut, Seite sieben, da steht das Wort „Massage“. Gemeint ist aber „Message“, also die Botschaft, die am Ende des Vortrags hängen bleiben sollte. Ein kleiner Tippfehler, der einer KI aber einfach nicht passieren würde.  Zweite Erkenntnis: Wenn es mal richtig holpert im Text, war vermutlich ein Mensch am Werk.

Was Kocian-Dirr noch auffällt: Die KI verändert nicht nur die Kursinhalte, die Prüfungen, sondern auch das Zwischenmenschliche. Früher bekam sie schon mal Mails, die klangen, als würden die Studenten ihrem Kumpel schreiben. „Hallo“ am Anfang, „LG“ am Schluss. Leicht unverschämt, fand Claudia Kocian-Dirr. Aber seit es Chat-GPT gibt, klingen die Mails so höflich, als kämen sie direkt aus einem Knigge-Kurs. „Sehr geehrte Frau Professorin Kocian-Dirr“. Zumindest an der Stelle kann niemand über die KI meckern. Sie hätte sich das damals jedenfalls nicht getraut, ihren Professoren einfach nur ein „Hallo“ hinzuwerfen, als Studentin der Wirtschaftsinformatik in Saarbrücken. Andere Zeiten, die Achtziger, in der Bibliothek wartete man wochenlang auf die Fernleihe, und die Professoren standen damals zumindest im Verdacht, allwissend zu sein. Weil die Studenten noch keine Smartphones in der Vorlesung dabeihatten, auf denen sie schnell nachschauen konnten, ob das denn stimmt, was der da vorn erzählt.

Sich durch ein Buch, einen komplizierten Text quälen, wer macht das denn noch?

In ihrer Diplomarbeit musste Kocian-Dirr die Grafiken noch mit einer Schablone anfertigen. Und davor, in ihrer Lehre als Bankkauffrau, füllten die Mitarbeiter handschriftlich die Überweisungen aus. Bis die elektronischen Zahlungssysteme eingeführt wurden. „So kompliziert“, sagten die Kollegen in der Bank. Aber sie war fasziniert. Seit zwanzig Jahren ist sie jetzt Professorin, was sie schon merkt: Spätestens seit Instagram sinkt die Aufmerksamkeitsspanne ihrer Studenten. Wenn sie ein Paper mitbringt, drei, vier Seiten lang, schweifen manche schon ab. „Die können das nicht bis zum Ende lesen“, sagt Kocian-Dirr. „Wollen die auch gar nicht.“ Das ist eine Sache, die ihr Sorgen macht. Die andere: Sie hat die Befürchtung, dass sich die Prozesse im Gehirn verändern, weil kaum noch jemand bereit ist, sich durch einen komplizierten Text zu quälen. Dranzubleiben, auch wenn es mal die halbe Nacht dauert. Vielleicht ist das ein guter Moment, um die Studenten mal selbst zu fragen, wie sie das mit der KI finden. Und wann sie zuletzt in ein Buch geschaut haben. Man positioniert sich also strategisch günstig vor der Mensa, wo sich die Letzten noch mit Käsespätzle für die Stadtrallye stärken. Zwei Studentinnen kommen raus, kurze Frage: Habt ihr schon mal Chat-GPT genutzt? Entsetzter Blick, nein, nein, noch nie. Eine andere Gruppe schließt die Möglichkeit nicht aus, eventuell mal einen Chatbot verwendet zu haben. Dann müssen sie aber auch schon weiter. Draußen vor der Hochschule sitzen zwei Studenten auf der Treppe und rauchen. Chat-GPT? Da sage er gern was dazu, aber bitte nur anonym, sagt der Neunzehnjährige, Ohrringe, Schnauzer, Ringe an den Fingern. Er will nicht gleich zum Semesterbeginn als der große Schummler berühmt werden. Aber ja, er lasse ganze Hausarbeiten von der KI schreiben. „Ich liebe Chat-GPT.“ Schon in der Schule habe er die App benutzt, da war er zu faul, um seine Facharbeit selbst zu schreiben. Hat auch wunderbar geklappt, volle Punktzahl. „Das Ding schreibt krass gute Texte, ich hab’s dann bisschen schlechter gemacht.“ Er hat Tippfehler reingehauen, damit der Lehrer keinen Verdacht schöpft. Und natürlich will er von Chat-GPT auch alles Mögliche im Alltag wissen. Wie viel Magnesium ist gesund? Wie viel Schlaf brauche ich? Die Freundin neben ihm nickt und sagt, sie habe auch mal „Nebenwirkungen der Pille“ eingegeben. Wie die sich auf das Gewicht auswirkt, auf die Psyche. 

Die KI arbeitet mit allem, was im Internet steht: auch Propaganda und Lügen

Es ist allerdings schon so, dass ihnen manche Antwort übertrieben vorkommt. Gerade erst haben sie in der WG eine neue Lampe anschließen wollen, die ein paar komische Kabel hatte. Chat-GPT habe dann so was in der Art gesagt wie: Auf keinen Fall anschließen, „das fackelt euch die Bude ab“. Da haben sie sicherheitshalber doch noch einen Elektriker gefragt. Klar merken sie auch, dass die App sie verändert. Dass sie früher immer mal wieder Bücher gelesen haben, aber dass jetzt irgendwie der Ehrgeiz fehle, mal selber nachzuschauen. Dass man aufpassen müsse, weil die KI mit Infos trainiert wird, die es im Internet halt so gibt. Egal, ob sie stimmen oder nicht, ob sie auf Propaganda basieren, auf Vorurteilen, die sie dann wiederum verstärken. Manche besprechen sogar ihre psychischen Probleme mit der KI, das haben die beiden zumindest gehört. Finden sie schwierig. Die Freundin sagt, sie sei jedenfalls froh, dass sie nicht mit Chat-GPT aufgewachsen ist. Heftig müsse es für die Generation nach ihnen sein, weil die das gar nicht mehr anders kennen. Sagt sie, die Achtzehnjährige.

In ihrem Büro schiebt Claudia Kocian-Dirr den Papierstapel zur Seite, dass Studenten schummeln, haut sie jetzt nicht vom Stuhl. Nach dem Sommersemester kam bei ihnen im Hinweisportal eine Meldung rein: Eine Studentin will beobachtet haben, dass ein Kommilitone einen KI-Scan-Stift verwendet habe. Das muss man sich vorstellen wie in einem James-Bond-Film: Der Stift scannt die Aufgabe, löst sie und zeigt das Ergebnis praktischerweise auf einem kleinen Bildschirm an. Das sind so die neuen Tricks der Studenten. Aber Claudia Kocian-Dirr hat ja auch ihre Tricks. Ohne den Studierenden jetzt alles zu verraten, aber gegen die allwissenden KI-Helfer wirken vor allem: mehr mündliche Prüfungen. „Da merkt man, ob sie es auch gecheckt haben.“ Außerdem stopft sie ihre Klausuren mittlerweile mit so vielen Fragen voll, dass gar keine Zeit bleibt, dreimal aufs Klo zu gehen und aufs Handy zu schauen. Und sie spricht mit ihren Studenten ganz offen übers Spicken. Sagt ihnen, wie wichtig es ist, ein gutes Basiswissen zu haben, weil sie ja später im Meeting auch nicht ständig sagen können, sorry Chef, ich muss mal kurz googeln. Grundsätzlich findet sie die Diskussion rund ums Schummeln etwas übertrieben, getrickst wurde doch schon immer. Früher mit dem guten alten Zettel im Mäppchen, heute eben mit dem Smartphone. Entscheidender ist für sie etwas anderes, das steht so auch auf ihrem Skript, das sie ihren Studenten austeilt: „Du wirst nicht von KI abgelöst, sondern von einer Person, die die Kooperation mit KI beherrscht. Zusammen seid ihr am schlausten!“ Dritte und letzte Erkenntnis: Man muss keine Angst vor der KI haben. Solange man versucht, sie zu verstehen.

Manchmal wird aber auch Claudia Kocian-Dirr alles zu viel. Wenn sie stundenlang in den Computer schaut, merkt sie, dass sie eine Pause braucht. „Du, mir ist schwindelig“, sagt sie dann zu ihrem Mann. In ihrem Büro holt sie auch mal ihr Bänkchen aus dem Schrank, setzt sich darauf und meditiert. Das ist eine Sache, von der die künstliche Intelligenz nichts versteht. Zumindest noch nicht. Wann es zu viel wird für den Menschen, wie man richtig meditiert. Implizites Wissen nennt das Claudia Kocian-Dirr. Dinge, die man selbst erlebt, die man erfahren haben muss. Der entspannende Griff in der Physiotherapie, der richtige Schritt beim Tanzen. Oder der perfekte Spätzleteig, tausend Rezepte im Internet, aber keiner auch nur annähernd so gut wie der von Oma. Und wenn man die Oma fragen würde, sagt Claudia Kocian-Dirr, wie viel Mehl da drin ist, dann würde sie nicht 245 Gramm sagen, sondern mit den Schultern zucken. Nach Gefühl.

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