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Pia Drechsel in Finnland

11.03.2026, Leh­re & Forschung:

Pia Drechsel aus der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften war im August vergangenen Jahres in Finnland. An der LUT Universität in Lappeenranta nahm sie an einer Summer School teil und tauschte sich zudem an Universitäten in Oulu und Kuopio mit Forschenden zu nachhaltigen Verpackungslösungen im Lebensmitteleinzelhandel aus. Welche Eindrücke sie währenddessen gesammelt hat, können Sie hier nachlesen.
Name
Pia Drechsel
Fakultät/Abteilung
Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin
Anlass
Summer School/Forschung
Institution
LUT (öffnet neues Fenster) und University of Oulu
Ort
Lappeenranta/Oulu, Finnland
Zeitraum
August 2025

Finanzierung

BayWISS - Bayerisches Wissenschaftsforum

Was war Ihre Hauptmotivation?

Meine Hauptmotivation war es, meine Forschung zur Verbraucherakzeptanz nachhaltiger Verpackungslösungen im Lebensmitteleinzelhandel weiterzuentwickeln und dabei internationale Perspektiven kennenzulernen. Mich interessierte insbesondere, wie in Finnland – einem Land, das für seine Innovationskraft und sein starkes Umweltbewusstsein bekannt ist – Nachhaltigkeit im Lebensmittelhandel umgesetzt wird. Welche Verpackungsinnovationen gibt es im Markt? Wie werden sie von Verbraucherinnen und Verbrauchern wahrgenommen und wie finden sie ihren Weg in den Alltag? Ein weiterer wichtiger Bestandteil meines Aufenthalts war die Teilnahme an einer Summer School der LUT Universität, einer der modernsten und nachhaltigsten Universitäten Finnlands. Dort erhielt ich Einblicke in internationale Lehr- und Forschungsansätze und konnte mich mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern austauschen. Im Anschluss besuchte ich außerdem die Universität Ostfinnland in Kuopio sowie die Universität in Oulu, wo ich Gespräche mit Forschenden zu Themen wie Kreislaufwirtschaft, Verbraucherakzeptanz und nachhaltigem Verpackungsdesign führte. Die Kombination aus Summer School und Forschungsaufenthalt bot eine ideale Gelegenheit, meine Arbeit fachlich und methodisch weiterzuentwickeln und zugleich neue internationale Kontakte aufzubauen.

Hatten Sie Bedenken?

Meine größten Bedenken betrafen weniger den Aufenthalt selbst – über diese Möglichkeit habe ich mich von Anfang an sehr gefreut, zumal es nicht mein erster längerer Auslandsaufenthalt war. Die größere Herausforderung lag vielmehr in der Vereinbarkeit von Familie und Forschungsaufenthalt. Als Wissenschaftlerin und Mutter von zwei Kindern stellte sich zunächst die Frage, wie sich ein mehrwöchiger Aufenthalt im Ausland organisatorisch und familiär umsetzen lässt. Schließlich haben wir uns als Familie bewusst dafür entschieden, diese Erfahrung gemeinsam zu machen. Für mich war es eine besondere Gelegenheit, meinen Kindern zu zeigen, warum sich Lernen und wissenschaftliche Arbeit lohnen, ihnen andere Kulturen näherzubringen und zu erleben, wie Sprachen und internationale Zusammenarbeit Türen öffnen können. Die Balance zwischen Forschung und Familie war nicht immer einfach. Rückblickend war diese Entscheidung jedoch unglaublich bereichernd und hat mir gezeigt, dass sich Forschung, Familie und internationale Erfahrungen durchaus miteinander verbinden lassen. Zumal ich in Finnland den Eindruck hatte, dass familienfreundliche Rahmenbedingungen und eine stärker selbstverständliche Aufgabenteilung Vereinbarkeit erleichtern.

Die Kombination aus Summer School und Forschungsaufenthalt bot eine ideale Gelegenheit, meine Arbeit fachlich und methodisch weiterzuentwickeln und zugleich neue internationale Kontakte aufzubauen.

Pia Drechsel

Würden Sie einen Auslandsaufenthalt weiterempfehlen? Warum?

Ja, unbedingt. Ein Auslandsaufenthalt erweitert nicht nur den fachlichen, sondern auch den persönlichen Horizont. Während meines Aufenthalts in Finnland habe ich erlebt, wie selbstverständlich dort Innovation und Nachhaltigkeit miteinander verbunden werden. Forschung wird häufig sehr praxisnah gedacht, und Kooperationen zwischen Universitäten, Wirtschaft und Gesellschaft sind fest verankert. Gleichzeitig hinterlassen internationale Erfahrungen oft auch langfristige persönliche Eindrücke: Man lernt neue Perspektiven kennen, hinterfragt eigene Gewohnheiten und nimmt viele neue Ideen mit nach Hause.

Fun Fact

In Lappland leben tatsächlich mehr Rentiere als Menschen – und manchmal scheinen sie sich dessen sehr bewusst zu sein. Beim ersten Anblick von Rentieren haben wir begeistert angehalten und Fotos gemacht. Einige Tage später stand jedoch ein besonders stoisches Exemplar mitten auf der Straße und ließ sich von nichts aus der Ruhe bringen. Spätestens nachdem wir beinahe eines angefahren hätten, wich die anfängliche Faszination einer neuen Art von Respekt.

Was haben Sie aus Ihrer Zeit im Ausland mitgenommen?

Fachlich nehme ich viele neue Impulse für meine Forschung mit. Besonders bereichernd war der Austausch mit Kolleginnen in Oulu, die nachhaltige Verpackungen aus einer systemischen Perspektive betrachten – ein Ansatz, der meine eigene Forschung sinnvoll ergänzt. Auch Einblicke in die finnische Handelslandschaft waren spannend, etwa innovative Logistiklösungen wie Lieferroboter oder neue nachhaltige Verpackungsmaterialien, beispielsweise Verpackungen aus Holzfasern. Persönlich habe ich gelernt, wie wertvoll es sein kann, den eigenen Blickwinkel bewusst zu erweitern. In Finnland ist die Nähe zur Natur selbst in Städten sehr präsent. Die Weite des Landes, die Ruhe der Landschaft und die vielen Seen prägen nicht nur die Umgebung, sondern auch die Lebensweise der Menschen. Ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war ein Abend an einem finnischen Mökki (typisches Ferienhaus) am See. Während ich am Ufer saß und an meiner Dissertation arbeitete, wurde mir bewusst, wie inspirierend neue Umgebungen für wissenschaftliche Arbeit sein können.

Grüner Campus der LUT Universität direkt am Saaima-See

Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Ja – und in vielerlei Hinsicht sogar übertroffen. Ich hatte mir vor allem fachliche Impulse und neue Kontakte erhofft. Darüber hinaus brachte der Aufenthalt jedoch auch viele inspirierende Gespräche und neue Perspektiven auf Nachhaltigkeit und Forschung. Beeindruckend war auch die Vielfalt der Universitäten, die ich besuchen durfte. Die LUT Universität mit ihrem modernen und stark auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Campus direkt am Saimaa-See steht für Innovation und Zukunftsorientierung. Die Universität von Oulu, eine der ältesten Universitäten Finnlands, vermittelt dagegen eine lange wissenschaftliche Tradition. Auch das Land selbst hat mich sehr beeindruckt – sodass Lappland und die Nordlichter nochmal auf meiner persönlichen Reiseliste stehen. Mein besonderer Dank gilt der International Startup League (ISUL) sowie BayWiss für die Förderung und Unterstützung dieses Forschungsaufenthalts.

Gibt es etwas, das Sie über Ihre Erfahrungen im Ausland hervorheben möchten?

Besonders beeindruckt hat mich die Natur Finnlands – die Weite der Landschaft, die Ruhe und die zahlreichen Seen. Je weiter man in den Norden reist, desto ursprünglicher wird die Umgebung. Diese Nähe zur Natur prägt auch die Mentalität vieler Menschen: ruhig, konzentriert und gleichzeitig sehr offen und freundlich. Für mich wurde dabei deutlich, dass Nachhaltigkeit in Finnland nicht als kurzfristiger Trend verstanden wird, sondern als selbstverständlicher Bestandteil von Alltag und Forschung um die Qualität des eigenen Lebens und der Natur zu erhalten.

Impressionen aus Finnland