Prof. Dr. Elmar Steurer, Direktor des Afrika-Instituts, begrüßte die fast 90 Teilnehmenden im Vöhlinschloss Illertissen und eröffnete offiziell das Forum. Seit nahezu 15 Jahren engagiert sich die HNU als Brückenbauerin zwischen der regionalen Wirtschaft und den dynamischen Märkten auf dem afrikanischen Kontinent. Das Afrika-Institut bündelt dabei Erfahrungen und Netzwerke, um Unternehmen aus der Region beim nachhaltigen Markteinstieg zu unterstützen.
Gleich zu Beginn wies Michael Baukloh, Leiter der Abteilung International bei der IHK Karlsruhe, auf die Diversität Afrikas hin: 1,5 Milliarden Menschen, 2.000 Sprachen, 54 Länder und verschiedene Rechtssysteme – eine Vielfalt, die ebenso große wirtschaftliche Chancen biete. Günther Schmid vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg, betonte die Wichtigkeit einer kohärente Afrika-Politik, die Silos zwischen Entwicklungs- und Wirtschaftsförderung überwindet, um nachhaltige Partnerschaften zu etablieren. Prof. Dr. Thomas Bayer von der HNU, langjährig in Wirtschaft sowie Bildungsprojekten mit afrikanischen Partnern aktiv, zitierte Thomas Schäfer vom SAFRI-Netzwerk, der im Handelsblatt schrieb: „Afrika ist kein Sozialprojekt, sondern ein strategischer Partner.“ Damit unterstrich er das Potenzial für mittelständische Unternehmen.
Konkret und praxisnah: Unterstützung und Best Practices
In mehreren Keynotes informierten Experten über konkrete Unterstützungsangebote für Unternehmen:
- Felix Guntermann vom Wirtschaftsnetzwerk Afrika stellte Beratungsangebote und Markterschließungshilfen vor – darunter bis zu 85 % co-finanzierte Beratungsgutscheine.
- Marc Krupp von der DEG präsentierte Finanzierungsprogramme wie ImpactConnect und TradeConnect, die Unternehmen bei Nachhaltigkeitszielen und Exportfinanzierung unterstützen.
- Dr. Nader Imani von Festo Didactic zeigte, wie technologische Bildung Markteintritte unterstützen kann – etwa in Automatisierung und Digitalisierung.
In drei thematischen Panels wurden erfolgreiche Geschäftsmodelle aus der Praxis vorgestellt sowie Chancen und Herausforderungen in bestimmten Branchen diskutiert:
Panel 1 – Mobilität:
- Serge Kamuhinda, CEO von Volkswagen Mobility Rwanda, erläuterte die VW-Niederlassung in Ruanda mit Montage, Verkauf, Mobilitätsdienstleistungen sowie E-Traktoren und Ladeinfrastruktur.
- Thomas Wölfle, Geschäftsführer der Wölfle GmbH, zeigte, wie sein Unternehmen einen Standort in Marokko aufbaute und die lokale Wertschöpfung immer mehr erhöht.
- Peter Schmitz, Manager Afrika/Nahost bei GTAI, stellte die doppelte Rolle der Außenwirtschaftsförderung vor: Standortmarketing und Marktinformationen. Schwerpunktländer für die Automobilbranche seien derzeit Marokko und Südafrika.
- Die Diskussion machte deutlich: Finanzierung, Zollbürokratie und Infrastruktur bleiben Herausforderungen – doch die Chancen, insbesondere im Bereich erneuerbare Energien und gut ausgebildete Mitarbeitende, sind groß.
Panel 2 – Lebensmittelwirtschaft:
- Paul März, Managing Director der fairtrade Messe GmbH & Co. KG, stellte internationale Fachmessen wie agrofood und plastprintpack als Plattformen vor, um Kontakte zu afrikanischen Geschäftspartnern aufzubauen.
- Petra Mayer, Market Manager Germany beim Verband Wines of South Africa, erklärte, wie die Non-Profit-Organisation Handelsbeziehungen für ein besonderes Produkt afrikanischer Herkunft fördert.
- Geraldine Quelle, Projektmanagerin bei Phaesun GmbH, präsentierte solare Kühltechnologien für Kleinbauern, entwickelt aus einem F&E-Projekt – ein modulares Konzept mit Komponenten aus Deutschland und lokalen Materialien.
- Die Diskussion zeigte: Eine höhere Wertschöpfung und Produktqualität vor Ort ist entscheidend für marktfähige Preise. Einzelne Kühlräume allein reichen nicht – gefragt sind tragfähige Geschäftsmodelle und lohnenswerte Produkte für den Export.
Panel 3 – Digitaler Boom:
- Dr. Monika Erath, Delegierte der deutschen Wirtschaft bei der AHK Ostafrika, berichtete über Unterstützungsangebote beim Markteinstieg in der Region durch die AHK-Netzwerke vor Ort.
• Thomas Kündiger, BOS Balance of Storage Systems AG, plädierte für langlebige Lösungen statt kurzlebiger Technik. Das Unternehmen elektrifiziert u. a. Kliniken in Malawi und setzt auf langfristige Partnerschaften mit lokalen Akteuren.
• Carlos Schmidt, Geschäftsführer von Itomatics GmbH, zeigte, wie digitale Strategien aus Tunis und Abuja heraus entstehen. Ziel sei es unter anderem, gut ausgebildeten Fachkräften vor Ort Perspektiven zu bieten.
• Die Diskussion betonte: Lokale Partner sind zentral – sie brauchen Vertrauen, Schulungen und Finanzierung, um digitale Innovationen nachhaltig umzusetzen.
Abschluss und Get-together
Beim abschließenden Networking im historischen Ambiente des Vöhlinschlosses wurden Gespräche vertieft und neue Partnerschaften angestoßen – getreu dem Geist der Veranstaltung: Kooperationen stärken, Brücken bauen und Chancen nutzen..






