Nach der Akutversorgung und Rehabilitation fallen Menschen mit erworbener Hirnschädigung häufig in Versorgungslücken. Therapieangebote sind eingeschränkt, besonders im ländlichen Raum, und der Übergang in ein selbstbestimmtes Leben stellt viele vor große Herausforderungen. Ziel für die Studierenden war es im Kurs von Prof. Michael Hebel, Serious Games zu entwickeln, die Tagesstrukturen fördern, Motivation zur Selbsthilfe stärken, motorische, sprachliche und kognitive Fähigkeiten trainieren, soziale Kontakte erleichtern und langfristig sogar berufliche Perspektiven unterstützen können. Ein besonderer Fokus lag dabei auf Barrierefreiheit und Usability: Die Spiele mussten auch mit motorischen Einschränkungen intuitiv bedienbar sein. Zudem sollten Therapeutinnen und Therapeuten über ein Access Management Inhalte steuern können. Technisch setzten die Teams auf unterschiedlichste Plattformen - vom Smartphone bis hin zu VR-Brillen.
Von der Konzeptphase bis zur Präsentation
Die Projekte durchliefen mehrere Entwicklungsstufen. Die Zusammenarbeit mit dem Bezirk Schwaben erfolgte über wöchentliche Sprint Reviews in denen Prof. Dr. Alexander Würfel und Tamara Langhof von der Fakultät Gesundheitsmanagement und Stefan Doerle, Projektleiter MeH MoS vom Bezirk Schwaben, Feedback zu den erstellten Spielen gaben. Darüber hinaus hatte Stefan Doerle eine Vielzahl von Reha Einrichtungen im Bezirk Schwaben rekrutiert, in denen die Studierenden ihre Spiele direkt mit Therapeutinnen und Therapeuten und Betroffenen testen konnten. Die Werkschau bot nun den Rahmen, die Ergebnisse erstmals öffentlich zu zeigen – und die Resonanz war groß. Besucherinnen und Besucher konnten die Spiele selbst ausprobieren und mit den Teams ins Gespräch kommen.
Preisverleihung: Werkschaupreise und Sonderpreis des Bezirks Schwaben
Zum Abschluss der Veranstaltung wurden mehrere Auszeichnungen in unterschiedlichen verliehen. Der Werkschaupreis zeichnete die folgenden Teams aus:
- HNU Werkschaupreis: Greatest Social Impact: Team Blickpunkt, Studiengang Communication and Design for Sustainability (M.A.)
- HNU Werkschaupreis: Team Mensa Check, Studiengang Digital Enterprise Management (B.Sc.)
- TechLab Höchste Innovationskraft: Team Fake-News-Radar, Studiengang Künstliche Intelligenz und Informationsmanagement und Team Smart-Kickert, Studiengang Information Management Automotive
- TechLab Publikumsliebling: Team Smart-Kicker, Studiengang Information Management Automotive
- GPM Best Art: Rite of Red Snow, Team Burning Trashcan, Studiengang Game-Produktion und Management
- GPM Best Mechanics: Mercury, Team MouseWorks, Studiengang Game-Produktion und Management
- GPM Best Sound: Rootnote, Team Spore Games, Studiengang Game-Produktion und Management
- GPM Best Game: Rootnote, Team Spore Games, Studiengang Game-Produktion und Management
- Community Award Best Booth: Razloc, Team Three Noodles, Studiengang Game-Produktion und Management
Der erste Sonderpreis des Bezirks Schwaben ging an das Team „4AM“ mit ihrem Spiel „Herz & Bohne“. Den zweiten Sonderpreis erhielt das Team „AngryPike“ für ihr Spiel „Schraube für Schraube“. Die Jurymitglieder Prof. Dr. Alexander Würfel und Tamara Langhof von der HNU, Stefan Dörle, Monika Mailer, Teamleiterin Marketing beim Bezirk Schwaben, sowie Christoph Kalchgruber, Geschäftsführer des Nachsorgezentrums Augsburg bewerteten die Spiele hinsichtlich therapeutischem Bezug, Komplexität, Ästhetik und Design sowie Spaß und Motivation.
Stefan Doerle resümierte: „Die Zusammenarbeit mit den Studierenden der HNU zeigt, wie innovativ und praxisnah Games zur Unterstützung von Menschen mit erworbener Hirnschädigung eingesetzt werden können. Es ist beeindruckend, wie sensibel die Teams die Bedürfnisse der Betroffenen aufgegriffen und in kreative, alltagstaugliche Lösungen übersetzt haben. Solche Projekte leisten einen wichtigen Beitrag dazu, auch nach der Rehabilitation therapeutische Angebote zu ergänzen. Sie tragen dazu bei, Teilhabe zu ermöglichen“
Ein Projekt, das Wirkung entfalten soll
Die entwickelten Serious Games werden im Anschluss mit realen Patientinnen und Patienten in Augsburg getestet. Damit erhalten die Studierenden die Möglichkeit, ein Hochschulprojekt zu realisieren, das unmittelbar im Alltag von Menschen mit erworbener Hirnschädigung eingesetzt werden kann.
Prof. Dr. Alexander Würfel betonte: „Mit dem aktuellen Projekt wird die Idee greifbar, die bereits 2019 im Rahmen des gemeinsam mit dem Bezirk Schwaben durchgeführten Forschungsprojekts MeH MoS entstanden ist. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Der Patient bzw. die Patientin wird aktiv in den Versorgungsprozess eingebunden. Die ortsunabhängige Nutzung schafft neue Erreichbarkeiten. Dir Protokollierung der Aktivitäten kann den Fortschritt transparenter machen und zugleich Ansatzpunkte für Weiterentwicklungen der Angebote schaffen. Die Fakultät Gesundheitsmanagement und der Studiengang Game-Produktion und Management an der HNU bieten hier ein vielleicht einzigartiges Framework, um solche neuen Ansätze im Versorgungsmanagement zu entwickeln.“
Zum Hintergrund des Projekts MeH MoS
Die studentischen Arbeiten sind Teil eines größeren wissenschaftlichen Rahmens: Das Forschungsprojekt MeH MoS mit dem Bezirk Schwaben läuft seit 2019 und untersucht, wie Menschen mit erworbener Hirnschädigung durch digitale und spielerische Ansätze unterstützt werden können. Das aktuelle Game-Project-Semester ist bereits das zweite Studierendenprojekt, das aus MeH MoS hervorgegangen ist. Bereits 2024 entstand in Kooperation mit der Kajaani University of Applied Sciences (KAMK) in Finnland ein erstes Projekt, in dem Studierende des Studiengangs „Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen“ (BGW) Motion-Capturing-Sequenzen und Spielkonzepte entwickelten. Diese frühen Konzepte wurden Expertinnen und Experten vorgelegt, um zu prüfen, ob der Ansatz grundsätzlich auf Akzeptanz stößt – was eindeutig der Fall war. Die nun entstandenen Prototypen können in Einrichtungen getestet und perspektivisch im Alltag der Betroffenen eingesetzt werden.
Über die HNU-Werkschau
Die Werkschau findet jeweils zum Ende eines Semesters statt und ist für die Studierenden unterschiedlicher Studiengänge aus allen drei HNU-Fakultäten weitaus mehr als eine Ausstellung: Sie erhalten die Möglichkeit, ihre Projekte an eigens gestalteten Ständen samt Werbematerialien einem externen Publikum zu präsentieren, wertvolle Kontakte zu knüpfen und erste Erfahrungen im Umgang mit Messebesuchern und potenziellen Kunden zu sammeln. Die Werkschau wird von Studierenden organisiert und moderiert.
Im Wintersemester 2025 / 2026 waren Projekte aus den folgenden Studiengängen vertreten:
- Communication and Design for Sustainability (M.A.)
- Digital Enterprise Management (B.Sc.)
- Game-Produktion and Management (B.A.)
- Informationsmanagement Automotive (B.Sc.)
- Informationsmanagement & Unternehmenskommunikation (B.A.)
- Künstliche Intelligenz und Informationsmanagement (B.Sc.)






