Als permanentes Pfeifen oder Rauschen im Ohr ist Tinnitus eine starke Belastung für weltweit rund 740 Millionen Betroffene. Die Erkrankung gilt nicht als heilbar – allerdings existieren mehrere Behandlungsmöglichkeiten, mit denen die Beschwerden kontrolliert oder gelindert werden können. Unklar war dabei bislang, ob es wirksamer ist, eine einzelne Behandlungsmethode anzuwenden oder mehrere Ansätze gleichzeitig zu kombinieren, etwa das Tragen eines Hörgeräts bei gleichzeitiger Verhaltenstherapie.
Insgesamt führten Kombinationsbehandlungen zu einer etwas stärkeren Verringerung der Tinnitusbelastung
Im Rahmen des Forschungsprojekts UNITI (Unification of Treatments and Interventions for Tinnitus Patients) (öffnet neues Fenster) führten Forschende unter der Leitung von PD Dr. Stefan Schoisswohl (öffnet neues Fenster) (Universität Regensburg) an fünf klinischen Standorten in Europa eine Studie mit 461 Patientinnen und Patientinnen durch, um die Wirkung von Einzel- und Kombinationsbehandlungen über einen Zeitraum von zwölf Wochen zu untersuchen. Dabei verglichen sie vier bewährte Therapieansätze: Kognitive Verhaltenstherapie, Hörgeräte, appbasierte strukturierte Beratung sowie appbasierte Soundtherapie. Die Studienergebnisse zeigten, dass grundsätzlich alle Therapieansätze wirksam sind: Bei nahezu allen Teilnehmenden trat innerhalb von zwölf Wochen eine Verbesserung der Symptome ein – unabhängig davon, welche Behandlung sie erhielten. Dabei schnitten die Patientinnen und Patienten, die eine Kombination aus zwei unterschiedlichen Methoden erhielten, etwas besser ab. Statt des erwarteten Synergieeffekts trat vielmehr ein Kompensationseffekt ein: Wirkte eine Methode bereits sehr gut – hier zeigten insbesondere Kognitive Verhaltenstherapie und Hörgeräte die besten Ergebnisse –, glich sie die Effekte einer weniger wirksamen Therapie aus. Dies ist insbesondere für den klinischen Alltag von Bedeutung, in dem oft unklar ist, welche Therapie am besten geeignet ist, da die Kombination verschiedener Ansätze die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolges erhöhen kann.
Entscheidender Erfolgsfaktor für die Studie: die Software-Architektur von Prof. Dr. Schobel
Ein Erfolgsfaktor für die Durchführung von solch komplexen, multizentrischen Studien in verschiedenen europäischen Ländern ist eine technologisch aufwändige Software-Architektur, die entsprechende Anforderungen abdeckt und technisch umsetzt. Diese Software-Architektur im Forschungsprojekt UNITI wurde in großen Teilen von Prof. Dr. rer. nat. Johannes Schobel, Forschungsprofessor für den Bereich „Digitale Medizin und Pflege“ und Leiter des Instituts DigiHealth an der HNU, konzipiert und technisch umgesetzt. Sie steuerte den Studienablauf für die einzelnen Probandinnen und Probanden anhand vordefinierter Module, erfasste klinische Parameter über verschiedene europäische Zentren hinweg, stellte digitale Therapie- und Coaching-Module zur Integration in den Behandlungsplan bereit und trug zugleich zur Standardisierung der Datenerhebung über den gesamten Studienzeitraum bei.
Zur Studie
Schoisswohl, S., Basso, L., Simoes, J. et al. Single versus combination treatment in tinnitus: an international, multicentre, parallel-arm, superiority, randomised controlled trial. Nat Commun 16, 10510 (2025). https://doi.org/10.1038/s41467-025-66165-1
Ansprechpartner
Prof. Dr. Johannes Schobel





