Die Gesprächspartner
Prof. Dr. Patrick Da-Cruz ist Professor für Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsmanagement an der Fakultät Gesundheitsmanagement der Hochschule Neu-Ulm (HNU) sowie wissenschaftlicher Leiter des MBA-Programms Führung und Management im Gesundheitswesen.
Vor seiner Tätigkeit an der HNU war Herr Da-Cruz bei namhaften Strategieberatungen im Bereich Pharma / Healthcare sowie in Führungsfunktionen in Unternehmen der Gesundheitswirtschaft im In- und Ausland tätig.

Ralf Bannwarth ist Diplom-Ingenieur (FH) der Medizintechnik mit umfassender Erfahrung in der Medizintechnik und im Bereich Healthcare IT. Nach Tätigkeiten als Rettungsassistent und dem Abschluss seines Studiums arbeitete er in der medizintechnischen Einrichtungsplanung und bei GE Healthcare IT, wo er verschiedene Führungspositionen innehatte. Von 2010 bis 2024 leitete er die Materialwirtschaft bzw. ab 2018 den Geschäftsbereich Einkauf und Medizintechnik bei den Alb-Fils-Kliniken. Seit 2025 ist er Leiter für Einkauf, Logistik und Medizintechnik bei den Kliniken Ostalb. Darüber hinaus wurde er 2019 in den Redaktionsbeirat des Fachmagazins „Klinik Einkauf“ des Thieme Verlags berufen.

Was versteht man unter einer Technologie- beziehungsweise Systempartnerschaften im Gesundheitswesen bzw. im Krankenhaus? Wie unterscheiden sich diese von anderen Branchen?
Ralf Bannwarth: Unter dem Begriff Technologiepartnerschaft versteht man eine langfristige Bindung zwischen der Medizintechnik-Industrie und einem Krankenhaus bzw. einer Krankenhauskette. Mit einer Technologiepartnerschaft werden unterschiedliche Ziele verfolgt. Es kann beispielsweise um gemeinsame Innovationen, die Gewährleistung eines Bestandes an innovativen Geräten, eine Optimierung der Qualität oder eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit gehen. Im Rahmen von Technologie- bzw. Systempartnerschaften im Gesundheitswesen müssen spezifische regulatorische Rahmenbedingungen dieses Sektors berücksichtigt werden. Diese unterscheiden sich teilweise erheblich von anderen Branchen. Exemplarisch sei hier der Umgang mit Patientendaten genannt.
Welche Merkmale umfassen Technologie- bzw. Systempartnerschaften zwischen Krankenhäusern und Medizintechnikunternehmen? In welchen Bereichen werden Technologie- beziehungsweise Systempartnerschaften bereits genutzt?
Ralf Bannwarth: In den ALB FILS Kliniken, für die ich bis Ende letzten Jahres tätig war, habe ich viele Technologiepartnerschaften in der Medizintechnik realisiert. Exemplarisch sei hier das Projekt PARAT (Partnerschaft für radiologische Technologien) genannt. Ziel des Projektes bzw. der Ausschreibung war eine zehnjährige Partnerschaft im Bereich der radiologischen Bildgebung. Dies umfasste ein Investitionskonzept (welches Gerät wird in welchem Jahr ersetzt?), ein Innovationskonzept (wie ist das Procedere, wenn ein Gerät erst in x Jahren geliefert wird und aktuell noch nicht zur Verfügung steht?), ein Finanzierungskonzept über den Vertragszeitraum sowie einen Wartungsvertrag für die gelieferten Geräte, aber auch für die Geräte, die im Bestand vorhanden sind – auch, wenn diese von einem anderen Hersteller sind. Nach dieser Technologiepartnerschaft folgten ähnliche Projekte in den Bereichen Ultraschall, Dialyse, Patientenüberwachung und flexible Endoskopie. Das Spektrum ist hier in den letzten Jahren immer breiter geworden.
Welchen Nutzen haben Technologie- bzw. Systempartnerschaften für Krankenhäuser?
Ralf Bannwarth: Wir haben mit diesen Projekten zur Standardisierung der Geräte, Plattformen, Schnittstellen und Anwendungsoberfläche beigetragen, hatten nur noch einen Ansprechpartner und ein Serviceteam, haben mit dem Finanzierungskonzept Investitionssicherheit geschaffen und konnten in unseren Geschäftsplanungen kalkulierbare Größen nutzen, d. h. die Unsicherheit in der Planung verringern. Parallel dazu haben wir durch die Bündelung aller Geräte einen wesentlichen Kostenvorteil erzielen können. Nicht zu vergessen ist auch die Vereinfachung im Bereich der öffentlichen Ausschreibungen, da wir nur eine große Ausschreibung durchführen mussten. Ein Konzept der Technologiepartnerschaft bietet einem Krankenhaus bzw. einer Krankenhauskette auch die Möglichkeit, einen Bereich ganzheitlich zu analysieren und ein langfristiges Konzept für diesen Bereich mit einem hohen Grad an Standardisierung zu entwickeln. Exemplarisch sei hier der Bereich der Ultraschalldiagnostik genannt, bei dem in einem Krankenhaus klassisch jede Abteilung ihren speziellen Lieferanten hat. Wenn man den Bereich ganzheitlich betrachtet und ein Gesamtkonzept erstellt, kann man in Bezug auf Standardisierung, medizinischen Fortschritt und Wirtschaftlichkeit wesentliche Erfolge erzielen.
Welche Risiken sind mit Technologie- beziehungsweise Systempartnerschaften für Krankenhäuser verbunden? Wie können Abhängigkeiten von einem Hersteller vermieden werden?
Ralf Bannwarth: Eine Technologiepartnerschaft ist eine Partnerschaft für einen langen Zeitraum. Die aufkommenden Risiken muss man vertraglich absichern, prinzipiell ist eine Technologiepartnerschaft ein Risk Sharing zwischen Industrie und Krankenhaus für Themen, die in einem längeren Vertragszeitraum aufkommen können. Die beschriebene Abhängigkeit von einem Hersteller kann beispielsweise so geregelt werden, dass in dem Vertrag ein bestimmter Fremdgeräteanteil definiert wird. Falls ein zu lieferndes Gerät dann vom Partner nicht geliefert werden kann, besteht ein Anspruch auf das Gerät eines Wettbewerbers, das zu liefern ist. Voraussetzung für ein erfolgreiches Projekt ist, dass man kontinuierlich an der Partnerschaft arbeitet und alle aufkommenden Themen gemeinschaftlich löst, sei es ein Chefarztwechsel, die Schließung oder Umstrukturierung einzelner Bereiche, der Aufbau neuer Abteilungen oder die Implementierung innovativer Therapien.
Ein wesentlicher Faktor für die Minimierung der Risiken ist eine erfolgreiche und enge Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen Einkauf, Medizintechnik und dem Anwender, d. h. insbesondere dem medizinischen und pflegerischen Fachpersonal. Nur gemeinsam und in enger Abstimmung verbunden mit einem professionellen Projektmanagement kann man hier ohne Reibungsverluste agieren.
Welche Ziele verfolgen Medizintechnikunternehmen mit Technologie- beziehungsweise Systempartnerschaften?
Ralf Bannwarth: Das große Ziel der Medizintechnik-Industrie ist die langfristige Kundenbindung. Konkret bedeutet dies, dass ein Auftragnehmer aufgrund des Verdrängungswettbewerbes einen Kunden für einen langen Zeitraum binden möchte. Ein wesentlicher Faktor für die Industrie – wie auch für die Krankenhäuser – ist, dass der Aufwand für die Teilnahme an Ausschreibungen durch die Teilnahme an einem Großprojekt wesentlich verringert wird. Darüber hinaus können durch die Lieferantenstandardisierung seitens der Medizintechnikunternehmen Servicekonzepte wesentlich effektiver angeboten und genutzt werden.
Vielen Dank für das Gespräch!
Die in den Interviews dargestellten Inhalte und Aussagen spiegeln die Perspektive der Gesprächspartner wider und entsprechen nicht notwendigerweise der Position der Redaktion.





