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Neu an der HNU: Prof. Dr. Dr. Rudolf Inderst

24.04.2025, Köpfe:

Seit März 2025 verstärkt Prof. Dr. Dr. Rudolf Thomas Inderst als Experte für Game Studies die Fakultät Informationsmanagement. Der zweifach promovierte Wissenschaftler bringt Expertise in der kritischen Spielanalyse, langjährige Branchenerfahrung sowie eine große Leidenschaft für digitale Spielkultur mit an die HNU. Warum Game Studies mehr sind als nur Theorie und wie er Studierende für die erkenntnisorientierte Auseinandersetzung mit digitalen Spielen begeistern möchte, erzählt er im Interview.

Prof. Dr. Dr. Rudolf Inderst

Professor für Game Design und Game Studies

Verraten Sie uns etwas über Ihren bisherigen Werdegang? 

Nach meinem Magisterstudium im Jahr 2005 promovierte ich sowohl zu „Vergemeinschaftungen in Online-Rollenspielen“ in München (2009) als auch zur „Darstellung von Wissenschaft, Forschung und Technologie im digitalen Spiel“ in Passau (2018); ich war als Dozent an verschiedenen Hochschulen tätig und hatte eine Gastprofessur an der HS Trier mit dem Schwerpunkt Digital Game Studies inne. Zudem arbeitete ich ein Jahrzehnt lang als Social-Media-Manager DACH und International-Community-Strategist bei Koch Media (jetzt: Plaion) in Planegg. Meine letzte Station war eine Professur für Game Design mit dem Schwerpunkt Digital Game Studies an der IU Internationale Hochschule. 

Ich leite das Ressort des Onlinejournals TITEL kulturmagazin, bin Gründer und Host des Podcasts Game Studies im internationalen New Books Network sowie Autor und Sprecher der Lokalradiosendung Replay Value. Außerdem engagiere ich mich als Fachbeirat für Digitalspielkultur im Deutschen Fachjournalistenverband. Derzeit arbeite ich an einer digitalspielpolitologischen Dissertation an der Universität Vechta.

Wo liegen Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte und was interessiert Sie derzeit im Besonderen?

Grundsätzlich habe ich großes Interesse an der Querverbindung von Politischer Ideengeschichte / Politischer Theorie und Digitalspiel. Seit meinen Magisterzeiten in München in der Politikwissenschaft sind besonders die Utopie- bzw. Dystopiegeschichte und -diskurse, welche mich umtreiben. Aber auch die immer beliebter werdende Form des Video Essay auf Plattformen wie YouTube oder Nebula als Begegnungspunkt von Fankultur, Journalismus und Spielwissenschaft regen mein Nachdenken und meine Lehre stark an.   

Persönliches

Mein Fachgebiet in drei Worten:
... Keep it playful!
Die HNU ist:
... mein neues berufliches Zuhause, das es nun gilt, sozial auszugestalten.  
Diesen Satz höre von meinen Studierenden am liebsten:
„Das kann ich gar nicht wissen, weil das vor meiner Geburt war.“
Meine aktuelle Lektüre:
Beitragsersteinreichungen unserer Autor:innen für den ersten deutschsprachigen Game-Studies-The-Elden-Ring-Sammelband
Meine (hoffentlich) nächste Publikation: 
Daniel Martin Feige, Rudolf Thomas Inderst (Hg.): Computerspiele. 50 zentrale Titel. Über die Vielfalt und Anziehung digitaler Spiele: 50 Beispiele zur wissenschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Bedeutung. Bielefeld, 2025. 
Das erste, was ich morgens an meinem Arbeitsplatze mache:
Na, meinen Kollegen Sebastian De Andrade begrüßen.
Was steht immer auf Ihrem Schreibtisch?
Ein unsichtbarer Goldbarren für Krisenzeiten, der noch nie von Dieb:innen entdeckt wurde!   

Weshalb sind Sie Professor geworden?

Es ist meine Überzeugung, dass das interdisziplinäre Forschungsfeld und Lehrgebiet der Spielwissenschaft davon profitiert, wenn es eine stärkere institutionelle Verankerung erfährt, die Professur als solche kann in meinen Augen als eine solche Etablierungsverankerung verstanden werden. Das bedeutet, jede Professur schafft Sichtbarkeit für das Feld. 

... *räusper … außerdem habe ich zwei linke Hände – was hätte ich denn sonst machen sollen? 

Was kann man in Ihren Veranstaltungen lernen?

Dass Spiele, deren Design sowie Entwicklung und ihre Herstellung, Distribution und Rezeption nicht in einem luftleeren, unpolitischen Raum stattfinden. 

Wie waren Ihre ersten Wochen an der HNU?

In demütiger Vorbereitung, welche hauptsächlich pendelnd und remote stattfand. Die Örtlichkeiten der HNU sind mir allerdings aus den Zeiten meiner Lehraufträge in den 2010er-Jahren schon etwas besser vertraut.

Was hat Sie gerade nach Neu-Ulm an die HNU geführt? Was gefällt Ihnen an der Region?

Ich war sehr positiv überrascht, als ich die damalige Ausschreibung las, schließlich gelten die Game Studies immer noch als rares Pflänzchen in der Hochschullandschaft. Und auf die Heimspiele des Ratiopharm Ulm bin ich als Basketballwahlbamberger natürlich auch gespannt.

Was machen Sie am liebsten, wenn Sie nicht gerade an der HNU lehren und/oder forschen?

Wissenschaftskommunikation, d.h. andere Lehrende und Forschende aus der Spielkultur via Podcast zu Wort kommen lassen – hört gerne mal rein: Game Studies (auf allen gängigen Podcastplattformen erhältlich). PS: Folgt @gamestudies auf Tiktok und Bluesky.

Entweder | Oder

Sushi oder Spätzle? Beides i.d.R. mit zu vielen Kohlenhydraten beseelt; wenn überhaupt, dann Sashimi

Camping oder Hotel? Hotel

Buch oder Film? Beides i.d.R. besser als das „Buch zum Film“

Allgäuer Alpen oder Bodensee? Kopenhagen

Kaffee oder Tee? Schwarzer Tee mit einem Schuss Milch 

Fahrrad oder Auto? Dodge Challenger

Sofa oder Sessel? Ohrenbackensessel

Zettelwirtschaft oder Notizbuch-App? Leuchtturm1917

Waldspaziergang oder Großstadttrip? Großstadttrip (von Wald umgeben)