Im Rahmen ihres Studentischen Gesundheitsmanagements bietet die HNU seit 2023 Kurse in Mentaler Erster Hilfe an und hat so das Mental Health-Netzwerk für HNU-Angehörige aufgebaut. Christoph Giebeler, der Verantwortliche für psychosoziale Beratung und das Studentische Gesundheitsmanagement an der HNU, freut sich über den Zuwachs an neuen Helfenden. „Unser Netzwerk für psychische Gesundheit wächst, was zeigt, dass wir mit der Gründung einen Nerv getroffen haben. Ich freue mich, dass das Thema mentale Gesundheit mehr und mehr Aufmerksamkeit bekommt und wir inzwischen schon zahlreiche Menschen dazu befähigt haben, Personen in Krisensituationen kompetent zur Seite stehen zu können.“
Die Ausbildung der Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für psychosoziale Gesundheit wurde unterstützt von der Techniker Krankenkasse.
Was hat die Mitglieder motiviert, an der Ausbildung teilzunehmen? Was möchten sie Ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen und Kolleginnen und Kollegen mitgeben? Was sind ihre wichtigsten Learnings aus der Ausbildung? Das lesen Sie in den untenstehenden Zitaten.
Mein Interesse an Psychologie begleitet mich schon lange, und ich wollte die Chance nutzen, aktiv in diesem Bereich mitzuwirken. Die Möglichkeit, Menschen bei psychosozialen Herausforderungen zu unterstützen, hat mich sofort motiviert. Es ist mir ein Anliegen, ein offenes Ohr für andere zu haben und dabei zu helfen, dass psychische Gesundheit mehr Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft erhält.
Nutzt dieses Angebot, wenn ihr in einer belastenden Situation steckt und jemanden zum Reden braucht – ich bin für euch da.
Früher oder später steht jeder vor einer Herausforderung, die im ersten Moment „alles entscheidend“ und unlösbar wirkt. In meiner Laufbahn habe ich mehr Personen scheitern sehen als nötig. Ich hatte bisher immer das Glück, dass mir jemand geholfen hat mit Abstand auf die Situation zu blicken und damit den Druck abzubauen. Mit der Weiterbildung zur „Ansprechpartnerin für psychosoziale Gesundheit“ wollte ich gerne selbst zu einer Person werden, die in herausfordernden Situationen stützend an der Seite steht.
Es ist völlig okay, sich auch mal verloren zu fühlen. Dabei ist es nur wichtig zu wissen, dass Du nicht allein gelassen wirst.
Ich habe gelernt, wie wichtig die richtige Kommunikation ist, um wirklich helfen zu können. Die psychologischen Inhalte der Ausbildung haben mir ein tieferes Verständnis für die Bedürfnisse und Herausforderungen anderer Menschen vermittelt. Besonders eindrucksvoll war für mich die Erkenntnis, wie entscheidend es ist, frühzeitig Hilfe zu suchen oder anzubieten. Wenn wir uns gegenseitig unterstützen, können psychische Belastungen früher erkannt, behandelt oder sogar verhindert werden.
Es mag sein, dass einem die ein oder andere Situation bekannt vorkommt, man sich identifizieren kann oder man sofort meint zu wissen, was die Personen gegenüber jetzt braucht. Jeder Mensch ist jedoch in seinen Emotionen, Bedürfnissen, und Wahrnehmungen individuell. Als Ansprechpartner:innen fungieren wir als aktive Zuhörer, die sich voll auf die Gesprächspartner einlassen und falls nötig bei der Sortierung und Suche der richtigen Hilfestelle unterstützen.
Ratschläge sind auch Schläge.
Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir ein Satz aus der Ausbildung: „Ratschläge sind auch Schläge.“ Er zeigt, dass es nicht darum geht, sofort Lösungen zu finden, sondern vor allem darum, aktiv zuzuhören, die Gefühle des Gegenübers zu begleiten und einfach für diese Person da zu sein.
Es gibt keine sinnlosen Anfragen oder Gespräche. Alle Ansprechpartner:innen sind Menschen, die gerne zuhören und auch wertungsfrei jede Situation annehmen und Verschwiegenheit garantieren. Jeder Person, die unsicher ist, ob sie ein Gespräch in Anspruch nehmen soll, würde ich raten: Versuch es einfach! Es gibt nichts zu verlieren.
Achtet auf euch selbst und aufeinander. Sich Hilfe zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke und Selbstfürsorge. In den Worten von Sigmund Freud: „Unbewältigte Emotionen verschwinden nicht. Sie werden begraben und kommen später auf hässlichere Weise wieder hervor.“
Freud erinnert uns daran, wie wichtig es ist, Gefühle nicht zu ignorieren. Probleme, die wir verdrängen, lösen sich nicht von selbst – sie können sich stattdessen auf andere Weise negativ zeigen, etwa durch Stress oder Konflikte. Deshalb ist es wichtig, Emotionen zuzulassen, offen darüber zu sprechen und Unterstützung anzunehmen. Habt keine Scheu, euch an vertrauenswürdige Personen zu wenden – sei es Freund:innen, Familie oder auch uns als MHFA-Ansprechpersonen. Wir sind jederzeit gerne für euch da!
Anfang und Ende 2023 hatte ich selbst mit verschiedenen Arten von Verlusten zu kämpfen, was mich emotional stark belastet hat. In dieser Zeit habe ich gemerkt, wie wichtig es für mich ist, Menschen zu haben, mit denen ich offen darüber sprechen kann und die mir einfach zuhören. Genau das möchte ich nun hier an der HNU sein: eine Ansprechperson, an die sich jeder in belastenden Situationen wenden kann.






