Bereits in den Grußworten wurde die wachsende Bedeutung Afrikas für die regionale Wirtschaft deutlich: Günther Schmid, Leiter des Referats Außenwirtschaft im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg, verwies auf die zunehmende strategische Rolle Subsahara-Afrikas, insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energien, Rohstoffe und industrielle Entwicklung. Amir Alizadeh von der IHK Ulm betonte, dass bereits zahlreiche Unternehmen aus der Region erfolgreich in Subsahara-Afrika tätig sind: Beispiele wie Liebherr, die Zimmermann PV-Steel Group, KTI Plersch oder die Schwenk-Gruppe zeigten, dass Afrika längst ein relevanter Wachstumsmarkt für Unternehmen aus der Region Ulm und Biberach sei.
„Afrika ist der Markt von heute“
S.E. Eskindir Yirga Asfaw, Botschafter der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien, verdeutlichte in seiner Eröffnungsrede, dass Afrika nicht nur als Zukunftsmarkt betrachtet werden dürfe. Mit einer jungen Bevölkerung, einer wachsenden Mittelschicht und der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone (AfCFTA) verfüge der Kontinent bereits heute über einen der größten integrierten Märkte der Welt. Entscheidend seien dabei nicht allein Investitionen, sondern langfristige Partnerschaften auf Augenhöhe. „Wir suchen keine Investoren, wir suchen Partner“, betonte der Botschafter.
Wie Unternehmen beim Einstieg in afrikanische Märkte konkret unterstützt werden, zeigten Felix Guntermann vom Wirtschaftsnetzwerk Afrika und Thomas Derstadt vom Import Promotion Desk. Vorgestellt wurden Beratungs- und Förderangebote sowie Matchmaking-Formate für Unternehmen.
Fachkräftepartnerschaften brauchen langfristiges Denken
Im ersten Panel sprachen Henning Post (Krones West Africa), Hans Posthumus (Bluekazi Group) und Edith Otiende-Lawani (GAaNF e.V.) über die Gewinnung und Qualifizierung von Fachkräften für den deutschen Arbeitsmarkt und Investitionen in afrikanischen Ländern. Eine zentrale Erkenntnis lautete: Erfolgreiche Fachkräftepartnerschaften entstehen nicht über Nacht, sondern erfordern langfristige Investitionen in Ausbildung, praktische Qualifizierung und gegenseitiges Vertrauen. Technische Kompetenzen, Qualitätsbewusstsein und praktische Erfahrung seien ebenso entscheidend wie lokale Teams, interkulturelle Vorbereitung und langfristig aufgebaute Beziehungen. Zudem wurde betont, Ausbildungsprogramme stärker an den Anforderungen des Arbeitsmarktes auszurichten und Integration als gegenseitigen Prozess zu verstehen.
Erfolgreich in Afrika: Zuhören statt Vorurteile
Im zweiten Panel berichteten Pamela Amann (Hydi Innovation), Victoria Gathogo (World Food Programme), Dr. Kamau Gachigi (Gearbox Makerspace Nairobi), Johann Heidecker (Zimmermann PV-Steel Group) und Marc-André Fischer (BetriebSystem) von ihren Erfahrungen in afrikanischen Märkten. Dabei wurde deutlich, dass der afrikanische Kontinent nicht als einheitlicher Markt betrachtet werden kann, sondern aus 54 Volkswirtschaften mit unterschiedlichen Chancen und Rahmenbedingungen besteht. Die Diskutierenden hoben hervor, dass Innovationen gemeinsam mit lokalen Partnern entwickelt werden sollten und Afrika zunehmend als Standort für industrielle Wertschöpfung, Produktion und Innovation wahrgenommen werden müsse. Nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg beruhe vor allem auf Vertrauen, langfristigen Partnerschaften und einer sorgfältigen Marktanalyse. Offenheit, kulturelle Sensibilität und die Bereitschaft, sich zuzuhören, wurden als zentrale Erfolgsfaktoren genannt.
HNU präsentiert Forschungskooperationen im Bereich Digital Health
Bruno Backes von der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika (AHK Eastern Africa) und Danilla van Jaarsveldt (AHK Südliches Afrika) gaben einen kompakten Überblick über aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen und Geschäftsmöglichkeiten in ihren jeweiligen Regionen. Im Rahmen der sogenannten „Deep Dive Stations“ konnten die Teilnehmenden anschließend konkrete Geschäftsmöglichkeiten und Kooperationsprojekte vertiefen. Claudia Schmidt von der AHK Marokko informierte über Marktchancen in Nordafrika. Bruno Backes, Dr. Kamau Gachigi und Hans Posthumus präsentierten anhand von Fallbeispielen konkrete Erfahrungen aus Ostafrika und diskutierten Erfolgsfaktoren für den Markteintritt sowie den Aufbau nachhaltiger Partnerschaften. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Dr. Felix Holl und Henrik Hülsmann vom Afrika-Institut stellten gemeinsam mit Dr. Wallace Karuguti und Philip Oyier von der Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology (JKUAT) aktuelle Kooperationsprojekte und Ansätze für digitale Gesundheitslösungen vor.
Große Resonanz und intensiver Austausch
Beim anschließenden Networking nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und Gespräche mit den Referierenden zu vertiefen. Das Wirtschaftsforum Afrika 2026 machte deutlich: Afrika ist längst ein bedeutender Wirtschafts- und Innovationspartner. Unternehmen, die langfristig denken, lokale Kooperationen aufbauen und die Vielfalt der afrikanischen Märkte verstehen, können von den dynamischen Entwicklungen auf dem Kontinent profitieren. Die große Resonanz auf die Veranstaltung unterstrich das wachsende Interesse der regionalen Wirtschaft an einer intensiveren Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern.
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Vanessa Robertson
Wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Bereich Kreislaufwirtschaft und Entrepreneurship
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