Dialog Geothermie
Geothermie gilt als wichtiger Baustein der Energiewende – gleichzeitig fehlt es vielen Menschen an Wissen über die Technologie und ihre Potenziale. Der Frage, wie sich dieses Wissen verständlich vermitteln lässt, widmete sich Robin Renoth in seinem Projekt „Dialog Geothermie“: Er leitete Studierende an, Wissenschaft direkt in den öffentlichen Raum zu bringen und Tiefengeothermie im persönlichen Austausch greifbar und verständlich zu machen. Hier erklärt der HNU-Promovend, warum ihm Wissenschaftskommunikation so wichtig ist.

Nominiert für den Bayerisch-Schwäbischen Innovationspreis Transfer 2026 der Hochschule Neu-Ulm
Worum geht's?
Das Projekt „Dialog Geothermie“, das Robin Renoth vor dem Hintergrund seiner wissenschaftlichen Qualifizierung betreute, war Teil eines Lehrformats zu Bürgerbeteiligung und Energieinfrastruktur an der Technischen Universität München (TUM). Im Zentrum stand der direkte Austausch zwischen Studierenden und Öffentlichkeit: Im Rahmen zweier Informationsstände im Science Communication Lab des Deutschen Museums vermittelten Studierende komplexe Themen der Tiefengeothermie verständlich, praxisnah und dialogorientiert an Besucherinnen und Besucher ohne fachlichen Hintergrund. Die Informationsstände wurden am 9. Januar 2026 präsentiert und behandelten sowohl die Grundlagen der Geothermie als auch zwei innovative technologische Ansätze: Enhanced Geothermal Systems (EGS) und Advanced Geothermal Systems (AGS). Während bei EGS der Untergrund gezielt erschlossen wird, um einen offenen Wärmekreislauf zu ermöglichen, basiert AGS auf einem geschlossenen Wärmekreislauf in der Tiefe. Ziel des Projekts war es, aktuelle Forschung verständlich aufzubereiten und den Dialog über nachhaltige Energie- und Wärmetechnologien aktiv zu fördern.

Robin Renoth

führte das Projekt im Rahmen einer Lehrveranstaltung zur Bürgerbeteiligung durch.
Das Projekt verbindet alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: Durch den direkten Austausch zwischen Studierenden und Öffentlichkeit wird die Akzeptanz für nachhaltige Energie- und Wärmelösungen gestärkt. Auch ökologisch leistet das Projekt einen Beitrag, indem es Geothermie als emissionsarme und grundlastfähige Technologie der Energiewende greifbarer macht. Darüber hinaus kann eine informierte und frühzeitig eingebundene Öffentlichkeit langfristig helfen, Planungsprozesse effizienter zu gestalten und Konflikte bei Infrastrukturprojekten zu reduzieren.
Der Praxispartner

Im Rahmen der kooperativen Promotion von Robin Renoth wurden aktuelle Forschungserkenntnisse aus der Geothermie direkt in das Lehrformat integriert und für den öffentlichen Dialog nutzbar gemacht. Das Deutsche Museum fungierte dabei als zentraler Praxispartner: Am dortigen Science Communication Lab konnten die Studierenden ihre entwickelten Dialog- und Beteiligungsformate unmittelbar mit Besucherinnen und Besuchern erproben und Erfahrungen außerhalb des universitären Umfelds sammeln.
Die enge Kooperation zwischen HNU, TUM und dem Deutschen Museum war in dieser Form einmalig und hat in der Verbindung von Fachwissenschaft, Praxisbezug und Wissenschaftskommunikation einen innovativen Ansatz für den Wissenstransfer in die Gesellschaft entstehen lassen.
Interview mit Robin Renoth
[1] Wie würden Sie Ihr Projekt in drei Schlagworten beschreiben?
Wissenschaft – Begegnung – Gesellschaft
[2] Was ist das Besondere an Ihrem Projekt?
Das Besondere an unserem Projekt ist, dass Studierende wissenschaftliche Inhalte nicht nur im Seminar erarbeiten, sondern sie direkt im Austausch mit der Öffentlichkeit vermitteln.
Bei „Dialog Geothermie“ wird komplexes Wissen über Geothermie als Energiequelle ebenso wie über innovative Geothermie-Technologien niederschwellig und verständlich aufbereitet. Es ist ungewohnt für die Studierenden, ihr Expertenwissen in ein einfaches, leicht zugängliches Format für Menschen ohne fachlichen Hintergrund zu bringen. Es entsteht ein Raum, in dem jede Person – ob Laie oder Expertin – Fragen stellen, mitdiskutieren und sich eine eigene Meinung bilden kann.
Besonders wertvoll ist dabei, dass der Wissenstransfer in beide Richtungen funktioniert:
- Die Besucherinnen und Besucher erhalten einen verständlichen Zugang zu einem Zukunftsthema, das einen direkten Bezugspunkt zu ihrem Alltag mit der Wärmeversorgung und der Wärmewende herstellt.
- Die Studierenden lernen, wie Wissenschaft außerhalb des Hochschulkontexts wahrgenommen wird und wie anspruchsvoll, aber auch wichtig es ist, komplexe Inhalte verständlich zu vermitteln.
Dadurch entsteht kein einseitiger, monotoner Vortrag, sondern ein echter Dialog auf Augenhöhe, von dem alle Beteiligten profitieren.
Genau diese Verbindung aus Forschung, Lehre und gesellschaftlicher Begegnung macht das Projekt aus meiner Sicht so großartig und besonders. Wissenschaft bleibt hier nicht abstrakt, sondern es wird ein alltagsnaher Praxisbezug hergestellt. „Dialog Geothermie“ schafft damit einen niederschwelligen Zugang im öffentlichen Raum, der sowohl der Gesellschaft von heute als auch den Fachkräften von morgen einen echten Mehrwert bietet.
[3] Was bedeutet Transfer für Sie?
Transfer bedeutet für mich, wissenschaftliche Erkenntnisse nicht im universitären Umfeld zu belassen, sondern sie verständlich, zugänglich und relevant in die Gesellschaft zu tragen. Gleichzeitig lebt für mich gelungener Transfer vom wechselseitigen Austausch: Die Fragen, Perspektiven und Erwartungen der Öffentlichkeit fließen dabei ebenso in Forschung und Lehre ein. Durch diese Wechselseitigkeit entwickeln sich alle beteiligten Akteure weiter und sie hilft der Gesellschaft, Forschung und Lehre besser zu verstehen. Zugleich entsteht die Möglichkeit, Transferprojekte wie „Dialog Geothermie“ durch die neu gewonnenen Erfahrungen und Rückmeldungen praxisnah weiterzuentwickeln.
[4] Was nehmen Sie aus dem Projekt mit – fachlich, aber auch persönlich?
Fachlich nehme ich aus dem Projekt mit, dass die verständliche Vermittlung komplexer wissenschaftlicher Inhalte eine zentrale Kompetenz ist. Es reicht nicht aus, spezialisiertes Fachwissen zu haben – entscheidend ist, es so aufzubereiten, dass unterschiedliche Zielgruppen daran teilhaben können. Gerade der direkte Austausch hat deutlich gemacht, wie unterschiedlich wissenschaftliche Perspektiven und die öffentliche Wahrnehmung sein können. Die unterschiedlichen Erklärungs- und Wissensvermittlungsansätze der Studierenden sowie die facettenreichen Fragen der Besucherinnen und Besucher haben mir gezeigt, dass die Wissensvermittlung ein sehr dynamisches Feld ist und durch Transferprojekte wie „Dialog Geothermie“ weiterentwickelt werden kann. Dabei lebt ein gelungenes Transferprojekt vom Austausch und schafft dadurch Mehrwert für alle Beteiligten: Gesellschaft, Lehre und Forschung.
Persönlich nehme ich mit, wie wertvoll die Begegnung auf Augenhöhe ist. Das Projekt hat mir noch einmal gezeigt, dass gute Wissenschaftskommunikation nicht nur vom Erklären, sondern auch vom Zuhören lebt. Dieser Austausch erweitert den eigenen Blick und schafft ein besseres Verständnis dafür, wie Forschung und Fachwissen gesellschaftlich wirksam werden können. Für mich bleibt vor allem die Erkenntnis, dass Wissenschaft besonders stark ist, wenn sie verständlich wird, Menschen erreicht und im Dialog weitergedacht werden kann.





