stand-by.care
Was passiert, wenn im Notfall niemand vor Ort ist, um Hilfe zu holen? Für Millionen alleinlebender Seniorinnen und Senioren ist diese Unsicherheit alltägliche Realität – für HNU-Prof. Dr. Johannes Schobel und Claus Allgaier von der artiso solutions GmbH war sie Anlass, gemeinsam eine innovative Lösung zu entwickeln: Das Projekt stand-by.care begegnet dem Problem in Form eines intelligenten Assistenzsystems, das alltägliche Aktivitäten im Hintergrund erkennt und Angehörige alarmiert, wenn etwas nicht stimmt. Projektleiter Prof. Dr. Schobel erklärt die Details der Technologie, die für mehr Sicherheit, Selbstständigkeit und ein beruhigendes Gefühl bei allen Beteiligten sorgen kann.

Nominiert für den Bayerisch-Schwäbischen Innovationspreis Transfer 2026 der Hochschule Neu-Ulm
Worum geht's?
Das DATIpilot-Projekt stand-by.care widmete sich erfolgreich der Entwicklung eines selbstaktivierenden Notfallwarnsystems für alleinlebende ältere Menschen. Während klassische Lösungen wie Notrufarmbänder eine manuelle Aktivierung erfordern oder nur eingeschränkt einsetzbar sind, verfolgt stand-by.care einen niedrigschwelligen und alltagsnahen Ansatz: Vernetzte Geräte im Haushalt erfassen bei der Bedienung typische Aktivitätsmuster und senden sogenannte „Lebenssignale“. Bleiben diese über einen längeren Zeitraus aus, werden Angehörige, Nachbarn oder Pflege- und Betreuungspersonen automatisch benachrichtigt und können schnell reagieren. Ziel ist es, Seniorinnen und Senioren möglichst lange ein sicheres und selbstbestimmtes Leben in der vertrauten häuslichen Umgebung zu ermöglichen und gleichzeitig Angehörige zu entlasten. Der Prototyp erreichte TRL 6 – d.h., er wurde erfolgreich in relevanter Einsatzumgebung demonstriert – und zeigt eine hohe Akzeptanz sowie großes gesellschaftliches Potenzial für die Unterstützung eines sicheren Lebens zu Hause.


Prof. Dr. Johannes Schobel

Prof. Dr. Johannes Schobel ist Forschungsprofessor für Digitale Medizin und Pflege. Er koordiniert das Gesamtprojekt und leitet das Projekt an der HNU.
stand-by.care verbindet intelligente Sensoren und Alltagsgeräte wie Steckdosenadapter, Bewegungs- oder Türsensoren zu einem unauffälligen Assistenzsystem für den Alltag. Die Geräte kommunizieren über eine zentrale Homebox, die sämtliche Daten ausschließlich lokal verarbeitet und speichert – für maximale Datensouveränität und Datenschutz. Über eine mobile Anwendung können Aktivitäten eingesehen, Benachrichtigungen individuell angepasst und Ruhezeiten flexibel definiert werden. Sie ermöglicht es außerdem, unkompliziert neue Geräte hinzuzufügen.
Der Praxispartner

Realisiert wird stand-by.care mit der artiso solutions GmbH, einem regionalen Unternehmen für individuelle Softwareentwicklung und Softwareengineering.
Unser Ziel ist es, dass stand-by.care in vielen deutschen Haushalten zu finden ist, um das Leben älterer Menschen sicherer und unabhängiger zu machen.
Interview mit Prof. Dr. Johannes Schobel
[1] Wie würden Sie Ihr Projekt in drei Schlagworten beschreiben?
Partizipation, Autonomie, Lebensqualität
[2] Was ist das Besondere an Ihrem Projekt?
Das Besondere an „stand-by.care“ ist die methodische Konsequenz. Wir haben die technische Entwicklung nicht „auf der grünen Wiese“ gestartet, sondern von Tag 1 an mit einer empirischen Begleitforschung im realen Lebensumfeld unserer Zielgruppe „alternde Personen“ verknüpft. Das Besondere ist also das validierte Fundament. Wir liefern nicht einfach nur einen Prototypen, sondern den wissenschaftlichen Nachweis, wie Technik im Alltag bei alternden Personen ankommt und so Angehörige entlasten kann.
[3] Was bedeutet Transfer für Sie?
Für mich ist Transfer die logische Konsequenz von exzellenter Forschung. Er sorgt dafür, dass aus wissenschaftlichen Erkenntnissen gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Mehrwert entsteht. Forschung ist das Fundament, Transfer die Brücke in die Gesellschaft. Beide Teile gehören unmittelbar zusammen.
[4] Was nehmen Sie aus dem Projekt mit – fachlich, aber auch persönlich?
Fachlich nehme ich mit, dass technologische Innovationen im Care-Bereich nur dann nachhaltig sind, wenn sie partizipativ, also direkt mit den alternden Menschen, Angehörigen und ihren Netzwerken, entwickelt und erprobt werden. Eine isolierte Laborlösung würde an der Realität scheitern.
Persönlich hat mir das Projekt gezeigt, mit welcher enormen Verantwortung unsere Arbeit als Wissenschaftler verbunden ist. Hinter jedem geführten Gespräch steht das fundamentale Bedürfnis nach Sicherheit und Autonomie – besonders im Alter.





