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„Es geht nur gemeinsam!“ von Jutta Allmendinger

01.07.2026, Rund um Literatur von Frauen:

Zwischen Care‑Arbeit, Karriere und Partnerschaft zeigt Jutta Allmendinger eindrücklich, warum Geschlechtergerechtigkeit nur gemeinsam gelingen kann.

Kurzbeschreibung

In Es geht nur gemeinsam! zieht die Soziologin Jutta Allmendinger eine ernüchternde Bilanz: Trotz jahrzehntelanger Gleichstellungsbemühungen bewegen wir uns in zentralen Fragen der Geschlechtergerechtigkeit eher rückwärts als vorwärts. Anhand empirischer Daten analysiert sie die bekannten Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern – etwa bei Erwerbs‑ und Care‑Arbeit, Einkommen, Führungspositionen und Alterssicherung. Die Corona‑Pandemie dient ihr dabei als Brennglas, das bestehende Rollenmuster und strukturelle Defizite besonders deutlich sichtbar macht. Gleichzeitig entwirft Allmendinger einen klaren Fahrplan für eine gerechtere Zukunft, der sowohl politische Reformen als auch Veränderungen im Alltag und in Partnerschaften umfasst.

Meinung

Jutta Allmendinger ist eine der bekanntesten deutschen Soziologinnen, deren Arbeiten mich bereits im Studium sehr geprägt haben. Heute, da ich selbst Mutter bin und aktuell in Teilzeit arbeite, habe ich ihr Buch Es geht nur gemeinsam! mit einer neuen, sehr persönlichen Perspektive gelesen. Dabei ging es mir weniger um eine erstmalige Bestandsaufnahme als vielmehr um die Frage, wie vertraute Ungleichheiten im Alltag fortwirken – insbesondere in Partnerschaften mit Kindern.

Was das Buch besonders lesenswert macht, ist die Verbindung von wissenschaftlicher Fundierung und persönlicher Reflexion. Allmendinger bezieht ihre eigene Familiengeschichte ebenso ein wie ihren beruflichen Werdegang als Professorin. Sie benennt offen, dass auch Glück, Herkunft und günstige Rahmenbedingungen eine Rolle gespielt haben und dass ihre Biografie nicht einfach auf andere Frauen übertragbar ist. Die wiederkehrende Figur der hypothetischen Enkelin „Marie“, für die sie sich eine wirklich gleichberechtigte Gesellschaft wünscht, verleiht dem Text zusätzlich eine emotionale Klammer und eine klare Zukunftsperspektive.

Stilistisch ist Es geht nur gemeinsam! wissenschaftlich fundiert, aber dennoch gut und flüssig zu lesen. Die klare Struktur – erst Benennung der Geschlechterungleichheiten, dann konkrete Handlungsvorschläge – erleichtert die Lektüre und macht die Argumentation nachvollziehbar. 

Für mich persönlich war die Lektüre mehr als eine analytische Bestandsaufnahme. Für meine Tochter wünsche ich mir eine Welt, wie Allmendinger sie für „Marie“ entwirft – eine Gesellschaft, in der Geschlechtergerechtigkeit keine permanente Forderung mehr ist, sondern gelebte Realität.

Fazit

Es geht nur gemeinsam! bietet einen klar strukturierten und empirisch fundierten Fahrplan für mehr Geschlechtergerechtigkeit in Deutschland. Jutta Allmendinger verbindet die Analyse bestehender Ungleichheiten mit konkreten politischen und gesellschaftlichen Handlungsperspektiven. Das Buch richtet sich an alle, die sich differenziert und praxisnah mit Gleichstellungsthemen auseinandersetzen möchten, und eignet sich sowohl für den wissenschaftlichen Kontext als auch für eine breite, gesellschaftlich interessierte Leserschaft. (Rezensentin: Alina Geßler)

 

Vita: Prof. Dr. h.c. Jutta Allmendinger

Name: Jutta Allmendinger
Geburtsdatum: 26. September 1956
Geburtsort: Mannheim, Deutschland 

Beruf: Deutsche Soziologin, Expertin für Bildung, Arbeitsmarkt und soziale Ungleichheit
Studium der Soziologie in Mannheim, Promotion an der Harvard University, Habilitation  an der Freien Universtität Berlin
Ihre Forschungsschwerpunkte: Bildung, Arbeitsmarkt, soziale Ungleichheit und Geschlechtergerechtigkeit

 

1992-2007: Professorin an der LMU München für Soziologie

1999-2002: Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Soziologie – als erste Frau

2003–2007: Direktorin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

2007ff: Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarkterforschung

2007–2024: Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB)

2012ff: Honorarprofessorin an der Freien Universität Berlin

2013: Zum Tag der Deutschen Einheit Verleihung des  Bundesverdienstkreuzes der 1. Klassevon Bundespräsident Joachim Gauck. 

Jutta Allmendinger zählt zu den führenden Stimmen der Sozialwissenschaften in Deutschland und ist eine bedeutende Stimme in gesellschaftspolitischen Debatten und Politikberatung.

Zum Buch

Titel: „Es geht nur gemeinsam!“ : Wie wir endlich Geschlechtergerechtigkeit erreichen
Autorin: Jutta Allmendinger
Erscheinungsjahr:  2021
Seiten:  137
Verlag: Ullstein

Webseite der Autorin: Jutta Allmendinger | ULLSTEIN
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