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Andreas Feil

Portrait HNU-Alumnus Andreas Feil

Studiengänge: Information Management Automotive (B. Sc.) (öffnet neues Fenster) / Master Business Management (M.Sc.) an der Steinbeis School of Management and Innovation

Arbeitgeber: BMW Group

Position: Functional Safety Manager


Geradlinig oder über Umwege: Wie verlief Ihre schulische Laufbahn und welche Interessen hatten Sie als jüngerer Mensch?
Meine schulische Laufbahn war geprägt von Neugier und einem unkonventionellen Weg. Nach der Fachoberschule begann ich zunächst ein Studium der Fahrzeugtechnik in Ulm. Doch schon bald stellte ich fest, dass ich die Theorie mit mehr Praxis verbinden wollte – und entschied mich für eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker mit Schwerpunkt auf Rallyesport und Oldtimer-Technik. Diese Phase war für mich prägend: Sie hat nicht nur meine Leidenschaft für Technik vertieft, sondern mir auch gezeigt, wie wichtig es ist, historische Werte mit moderner Innovation zu verbinden.

Mit dieser praktischen Basis im Rücken führte mich mein Weg an die Hochschule Neu-Ulm (HNU), wo ich den Bachelorstudiengang „Information Management Automotive“ absolvierte. Das Studium öffnete mir Türen zu neuen Welten – etwa zu einem unvergesslichen 7-monatigen Aufenthalt in den USA, wo ich als Projektingenieur für die BMW Group tätig war. Diese Erfahrung war nicht nur beruflich, sondern auch persönlich eine echte Bereicherung: interkulturelle Zusammenarbeit, technische Herausforderungen und das Abenteuer, sich in einem neuen Umfeld zu beweisen.

Nach meinem Bachelorstudium wollte ich meine Begeisterung für kreative Problemlösungen und technologische Innovation weiter vertiefen. Deshalb entschied ich mich für den Masterstudiengang „Innovationsmanagement und Digitale Transformation“. Besonders faszinierend fand ich dabei die Forschung an Zielgruppen und Märkten – für mich ein perfektes Zusammenspiel aus Technologie und Mensch.

Zwischen 2019 und 2022 wurde ich durch einen körperlichen Schicksalsschlag und einen Burnout jedoch gezwungen, mein Leben neu zu denken. Diese herausfordernde Zeit brachte eine Vision hervor: die Idee eines Gesundheitsmarktes, der Naturheilkunde, Lebensmittel, Wissenstransfer und ein Café für Austausch verbindet. Diese Start-up-Idee setzte ich mit Herzblut um, organisierte Speaker-Events mit bis zu 100 Teilnehmern, hielt Vorträge und entwickelte ein Konzept für eine digitale Plattform.

Auch wenn das Unternehmen letztlich scheiterte, sehe ich diese Phase als meinen größten Erfolg. Die Erfahrungen und Lektionen, die ich in dieser Zeit gelernt habe, prägen mich bis heute.

Heute arbeite ich mit großer Begeisterung bei der BMW Group in München als Functional Safety Manager. In diesem innovativen Umfeld bringe ich nicht nur mein technisches Know-how ein, sondern auch die unternehmerischen Fähigkeiten und die Perspektiven, die ich auf meinem bisherigen Weg gewonnen habe.


Welche Tipps können Sie jungen Menschen geben, die auf der Suche nach dem passenden Studiengang sind?
Eine schwere Frage – und eine, auf die es keine allgemeingültige Antwort gibt. Ich denke, der Schlüssel liegt in einer Balance zwischen „Einfach mal loslaufen“ und „Sich bewusst Zeit nehmen“.

Die Entscheidung für einen Studiengang sollte nicht überstürzt, aber auch nicht endlos hinausgezögert werden. Sie sollte reifen – und zwar nachhaltig und qualifiziert. Mein Tipp: Konzentriert euch auf eure persönlichen Talente, Interessen und Stärken. Fragt euch: Welche Themen begeistern mich? Was möchte ich später in meinem Beruf erreichen? Und welche Studienrichtung gibt mir die Werkzeuge, um dieses Ziel zu verwirklichen?

Was ich aus eigener Erfahrung betonen möchte: Habt Mut zur Korrektur! Scheitern in einem Studiengang ist kein Scheitern im Leben – es ist vielmehr eine Chance zur Neuausrichtung. Viel wertvoller als sturer Ehrgeiz ist die Fähigkeit, zu erkennen, was einem wirklich liegt und was nicht. Das bewusste Verlassen eines falschen Weges ist oft der erste Schritt in die richtige Richtung.

Letztlich zählt eines: Freude und Leidenschaft für das, was ihr tut. Denn nur so könnt ihr vermeiden, dass euch langfristig der Antrieb fehlt – im Studium und später im Beruf.


Welche Erfahrungen im Studium haben Sie besonders geprägt?
Mein Einstieg ins Studium war ein wenig ungewöhnlich: Ich begann erst im zweiten Semester, da der neue Studiengang aufgrund geringer Immatrikulationszahlen verzögert startete. Diese Situation brachte jedoch auch Vorteile mit sich. Die kleine Gruppengröße erlaubte eine enge, fast familiäre Atmosphäre, und ich fand schnell Anschluss zu Kommilitoninnen und Kommilitonen, die bereits Studienerfahrung hatten. Dieses unterstützende Umfeld hat meinen Start enorm erleichtert.

Besonders prägend war für mich die Begegnung mit Herrn Professor Dr. Dehnert. Seine Perspektiven und seine pädagogische Herangehensweise haben mir nicht nur fachlich, sondern auch persönlich viel mitgegeben. Er hat es geschafft, Theorie und Praxis so zu verbinden, dass man nicht nur verstand, sondern auch begeistert lernte. Seine Art zu lehren hat meinen Blick auf Wissen und Lernen nachhaltig geprägt.

Natürlich gehörten auch die HNU-Partys und Events auf dem Campus zu den unvergesslichen Momenten. Ob Sommerfeste oder Winterevents – sie boten die perfekte Gelegenheit, nach harten Klausurphasen durchzuatmen und die Gemeinschaft zu genießen. Diese Balance zwischen akademischen Herausforderungen und sozialen Highlights hat mein Studium zu einer besonderen Zeit gemacht.


Beschreiben Sie bitte Ihren Arbeitsalltag. An welchen Projekten arbeiten Sie und welche Aufgaben schätzen Sie ganz besonders?
Als Functional Safety Manager bei der BMW Group gestalte ich die Zukunft der Mobilität sicher – im wahrsten Sinne des Wortes. Meine Arbeit umfasst ein breites Spektrum: von der Analyse von Hardware und Software bis hin zur Integration und Absicherung des gesamten Komponentenverbunds eines Fahrzeugs. Während die einen vielleicht sagen würden, ein Auto müsse „einfach nur fahren“, ist es meine Aufgabe sicherzustellen, dass es dies unter allen Bedingungen absolut sicher tut.

Mein Fokus liegt darauf, die Anforderungen an Fahrzeuge so umzusetzen, dass sie nicht nur den neuesten Sicherheitsstandards entsprechen, sondern diese auch übertreffen. Dabei denke ich immer ganzheitlich: Jedes Bauteil, jede Komponente – insbesondere im Bereich der Hochvolt-Technologie – wird darauf geprüft, dass sie den Insassen keinen Schaden zufügen können.

Besonders schätze ich die enge Zusammenarbeit mit interdisziplinären Teams, die Kombination aus detaillierter technischer Arbeit und strategischen Entscheidungen. Es begeistert mich, Lösungen zu entwickeln, die nicht nur den aktuellen Stand der Technik sichern, sondern auch zukünftige Innovationen ermöglichen.

Meine Aufgabe ist nicht nur technischer Natur – sie ist eine Verantwortung gegenüber den Menschen, die in diesen Fahrzeugen unterwegs sind. Dieses Bewusstsein treibt mich an und macht meinen Arbeitsalltag so erfüllend.


Anstrengend oder kinderleicht: Wie sah Ihr Praxissemester aus und welche Aufgaben haben Sie übernommen?
Mitten in der Klausurphase im Wintersemester 2015/16 erhielt ich einen überraschenden Anruf, der mein Leben nachhaltig prägen sollte. Die Frage lautete: „Können Sie sich vorstellen, in spätestens acht Wochen ein Praktikum in den USA anzunehmen?“ Der Einsatzort: Spartanburg, South Carolina, für die BMW Group. Ohne zu zögern, sagte ich zu – und begann damit eine der aufregendsten und intensivsten Phasen meines bisherigen Lebens.

Die darauffolgenden Wochen waren geprägt von einer rasanten Organisation: Visumanträge, Reisevorbereitungen und der Abschluss meiner Klausuren. Doch der Aufwand lohnte sich. Anfang März war ich pünktlich zum Projektstart vor Ort und tauchte in ein berufliches und kulturelles Abenteuer ein, das mir einzigartige Einblicke verschaffte.

Während des sechsmonatigen Aufenthalts hatte ich die Gelegenheit, 19 von 50 Bundesstaaten zu bereisen – beruflich und privat. Jede Begegnung und jede Erfahrung, von der Zusammenarbeit mit Kollegen bis hin zu Gesprächen mit völlig Fremden, erweiterten meinen Horizont.

Meine Aufgaben waren ebenso abwechslungsreich wie anspruchsvoll. Als Assistenz des Projektmanagers übernahm ich vielfältige organisatorische und strategische Tätigkeiten. Doch meine praktischen Wurzeln als gelernter KFZ-Mechatroniker blieben nicht ungenutzt: Ich durfte oft selbst Hand anlegen und mein technisches Know-how einbringen.

Besonders stolz bin ich auf die Entwicklung eines cloudbasierten Systems zur Fahrzeugerfassung mittels Barcodes. Dieses System half dabei, Fahrzeuge effizient an Häfen wie Miami, Portland oder Newark auf große Containerschiffe zu verladen – eine Aufgabe, die sowohl Präzision als auch Innovationsgeist erforderte.

Diese Zeit war eine Mischung aus intensiver Arbeit, kulturellen Entdeckungen und persönlichem Wachstum. Sie hat mir nicht nur gezeigt, was möglich ist, wenn man Chancen mutig ergreift, sondern auch, wie wichtig es ist, flexibel, lösungsorientiert und offen für Neues zu sein.


Wie lautet Ihr Ratschlag an alle Absolventent/innen, die auf der Suche nach ihrer ersten Arbeitsstelle sind?
Mein wichtigster Ratschlag: „Einfach mal anfangen zu laufen.“ Der erste Job muss nicht sofort der perfekte Traumjob sein – vielmehr geht es darum, Erfahrungen zu sammeln und sich auszuprobieren. Im Studium genießt man oft noch eine gewisse Nestwärme, doch der Sprung ins Berufsleben erfordert Mut und Flexibilität. Es ist völlig in Ordnung, wenn der erste Job nicht zu 100 % passt – wichtig ist, dass er euch einen Schritt nach vorne bringt.

Setzt euch ambitionierte, aber erreichbare Ziele. Ich habe mir damals die Frage gestellt: „Wo möchte ich in zwei Jahren stehen?“ Diese Frage hat mir geholfen, meinen Weg strategisch zu planen. Der Schlüssel liegt darin, eine klare Richtung vor Augen zu haben, aber gleichzeitig offen für Überraschungen und Umwege zu bleiben.

Für mich war es nie entscheidend, ein Ziel ausschließlich als Endpunkt zu sehen. Vielmehr geht es darum, den Weg dorthin aktiv zu gestalten. Dieser Prozess – das System, das ihr euch aufbaut, die Entscheidungen, die ihr trefft, und die Erfahrungen, die ihr sammelt – wird euch langfristig formen und weiterbringen.

Habt den Mut, anzufangen, und die Geduld, euch zu entwickeln. Der erste Job ist nicht das Finale eurer Karriere, sondern der Anfang einer spannenden Reise.


Wie sah Ihr erster Job aus und wie sind Sie darauf aufmerksam geworden?
Mein erster Job ergab sich quasi direkt aus meiner Bachelorarbeit. Darin analysierte ich, wie die Digitalisierung der Automobilindustrie – am Beispiel von Carsharing – ein völlig neues Denken und eine veränderte Unternehmenskultur erfordert. Kurz nach Abschluss meines Studiums übernahm ich genau für dieses Thema die disziplinarische Projektverantwortung: das IT-Backend von DriveNow, dem damaligen Carsharing-Service der BMW Group.

Die Rolle war eine spannende und zugleich anspruchsvolle Herausforderung. Besonders prägend war der 24/7-Support, der den weltweit reibungslosen Betrieb des Systems sicherstellen sollte. Das bedeutete: Mein Team und ich waren rund um die Uhr im Einsatz, um Probleme schnell zu lösen und einen störungsfreien Service zu gewährleisten. Diese Verantwortung verlangte uns einiges ab – sowohl fachlich als auch mental.

Rückblickend war dieser erste Job mehr als nur ein Einstieg ins Berufsleben. Er hat mir gezeigt, wie wichtig Teamarbeit, Belastbarkeit und ein klarer Fokus auf Lösungen sind. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie entscheidend es ist, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, um auch in dynamischen und fordernden Umfeldern erfolgreich zu sein.


Welche Erfahrungen aus Ihrem Studium an der HNU haben sich im Berufsleben als wertvoll erwiesen?
„Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“ – dieser Satz beschreibt eine der wichtigsten Lektionen, die ich während meines Studiums gelernt habe. Die intensive Vorbereitung auf Klausuren, oft geprägt von anspruchsvollen und ungewissen Fragestellungen, zwang mich dazu, über den Tellerrand hinauszudenken und Theorie in die Praxis zu übersetzen. Dieses Training im Transferdenken hat mir im Berufsleben enorm geholfen, komplexe Themen schnell zu erfassen und lösungsorientiert zu handeln.

Besonders wertvoll empfand ich die interdisziplinäre Ausrichtung des Studiums. Die Überschneidungen zwischen verschiedenen Themenbereichen zeigten mir, wie wichtig es ist, Zusammenhänge zu erkennen und Fachwissen flexibel anzuwenden. Das Gefühl, eine Klausur nicht nur bestanden, sondern wirklich verstanden zu haben, war ein großer Erfolgsmoment – ähnlich wie das Lösen komplexer Projekte in meinem Berufsalltag.

Doch es war nicht nur die fachliche Ausbildung, die mich prägte. Der Austausch mit Kommilitonen und Dozenten, das gemeinsame Arbeiten an Projekten und das Begeistern anderer für neue Ideen – all das hat mir gezeigt, wie entscheidend der menschliche Faktor für Erfolg ist. Letztlich sind es diese Fähigkeiten, die mich sowohl im Studium als auch im Beruf immer wieder weitergebracht haben.


Welche beruflichen Ziele verfolgen Sie für ihre Zukunft?
Auch in der Zukunft möchte ich mir treu bleiben und meinen eigenen Weg weitergehen. Dabei geht es mir darum, meine Talente in innovativen Umfeldern einzusetzen, meine Erfahrungen aus dynamischen, internationalen Projekten weiterzugeben und meine Freude am Lehren sowie an inspirierenden Vorträgen mit meiner Affinität zur Forschung zu verbinden.

Mein Ziel ist es, all diese Aspekte gewinnbringend einzusetzen – sowohl für mich selbst als auch für andere. Im besten Fall gelingt mir das eines Tages durch eine Kooperation zwischen der BMW Group und einer Hochschule wie der HNU. Das wäre für mich eine ideale Kombination, um meine Leidenschaft für Innovation, Wissensvermittlung und interdisziplinäre Zusammenarbeit voll auszuschöpfen.

Wie würden Sie folgenden Satzanfang vervollständigen?
DIE HNU… „steht für eine Zeit, an die ich mit Stolz und Freude zurückdenke. Sie war nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch der Begegnung, Inspiration und Weiterentwicklung. Gleichzeitig sehe ich sie als Institution, zu der ich eines Tages gerne zurückkehren würde – um wissenshungrige Studierende auf ihrem Weg zu unterstützen, sie zum Nachdenken zu inspirieren und sie bei ihrem Forschen und Finden zu begleiten.“